Donnerstag, 5. November 2015

[REZENSION] Miss Minotaurus - A.Lee Martinez (by Key)

Miss Minotaurus und der Huf der Götter, A. Lee Martinez
Piper, 2015
432 Seiten
Preis:  10, 99 €
ISBN: 978-3-492-28040-2

Klappentext:
Selbst im modernen magischen Amerika ist man nicht gegen die guten alten Götter und ihre Spielchen gefeit. Dies müssen auch die Jugendlichen Helen und Troy erfahren, die von einem machthungrigen Burger-Gott zuerst verflucht und dann auch noch auf eine Odyssee geschickt werden - epische Zyklopenkämpfe, verzauberte Orte und mysteriöse Rätsel inklusive ... Verfolgt von einer Bande spießiger Ork-Biker cruisen Helen und Troy geradewegs ins Verderben. Denn was sie nicht umbringt, macht den dunklen Gott, der sie beauftragte, stärker. Und der hat nichts anderes als den Untergang Amerikas im Sinne ...


Meine Meinung:
 Er war's.

So keinmal dürft ihr raten, was die Key in ihrer wilden World of Warcraft Zeit gespielt hat und dann wisst ihr auch was an ‚Miss Minotaurus‘ so verlockend war. Zusammen mit OriginalDibbler habe ich diese Reise in einer Leserunde bei ihm auf dem Blog unternommen. Mit erstaunlichen Übereinstimmungen unser Leseeindrücke.
Aber ich fang’ mal vorne an, wenn’s genehm ist. Beim Cover: das ist ja schon nett, nicht wahr? Ich kann euch aber verraten, dat dat definitiv ein himmelblauer Ford Chimera der 50erJahre sein müsste in dem unsere beiden Protagonisten: Helen, die Kuh und Troy, das KarateKid sitzen und auf ihrer ganz persönlichen Fury Road unterwegs sind. Der Betrachter nimmt die Position des Rücksitzfahrers ein, oder viel mehr die Perspektive die den Blick in den Rückspiegel erlaubt. Oder vielleicht auch die Sicht des Verfolgers, in diesem Fall Nigel, ein Büro-Ork und seiner ‚Wilden Jagd‘ auf knatternden Motorrädern.

Der Anfang der Geschichte hat mich viel lachen lassen, ich muss wohl nur eingestehen, dass ich noch zu wenig Lektüre im Bereich Funny Fantasy genossen habe, was für mich alles schön pointiert war - aus allen Ecken tropft hier die Ironie - schien es für meinen Mitleser nicht ganz so furios neuartig. Dennoch: Hel und Troy arbeiten in einem Burgerladen und dort erscheint ihnen nach Arbeitsschluß nun ein Gott, der seinen Platz in der Welt der ‚Enchanted Americans‘ wieder einnehmen will. Dazu braucht er, wie ‚Wächter‘ uns später aufklärt die Hilfe von wahllos bestimmten Sterblichen, die sich für ihn auf eine Quest begeben müssen. Und während ein paar Leute, wie ein Imbisswagenbesitzer oder Schicksalsgöttinnen (die nicht kursiv geschrieben werden) dazu herablassen den beiden Abenteurern ein paar Hinweise zuzuschustern, wollen Baba Yaga und die Orks sie genau von diesem Unterfangen abhalten. Gut, dass Hel und Troy auf den Hund gekommen sind.



 Es werden immer die ausgesucht, die es nicht drauf haben,
statt unserer ausgebildeten Helden.

Denn sie sind nun wirklich nicht dazu geeignet, die dusseligen Artefakte einzusammeln. Hel leidet an Minotauritis und haart fürchterlich, ist übergewichtig und ihre Hörner sind auch meist im Weg, dafür hat sie aber enorme körperliche Kräfte, kann viel einstecken und hat nen guten rechten Haken drauf. Ihr asiatischer Begleiter ist ein Beau der in allem einfach nur perfekt ist und wahrscheinlich mehr unter #FirstWorldProblems leidet als alles andere. Besonders angetan hat es mir deshalb Nigels Orkgott auf seinem Donnerstuhl, den Rest der Meute kann man getrost vernachlässigen.

Der Roadtrip führt jetzt quer über die Landstraßen zu einigen absonderlichen mystischen Orten, die entweder wie das Drachen Naturschutzgebiet von normal Sterblichen gar nicht einsehbar oder wie der Freizeitpark bewusst gepimpt sind. Überall müssen ein paar Aufgaben erledigt werden und so schicke Gegenstände wie der ’Teekessel’ kommen zum Einsatz neben den normalen Waffen: Schwert, Schild und Zauberstab. Es gilt Zyklopen, Mantelmonster und das erste Date an Gefahren zu überstehen, immer ordentlich gewürzt mit der Frage nachdem: Warum tun wir uns das überhaupt an, wenn wir am Ende dabei drauf gehen werden?

 

 Jedes Leben ist eine Geschichte

Nicht ganz klar sind die Spielregeln, denn die machen die Götter wahlweise selbst und sind teilweise irgendwie einfach vorgegeben von wem oder was auch immer. Was dazu führt, dass nicht nur der Leser irgendwann von diesem Schwamm die Nase voll hat, sondern Hel auch. Und Hel tut das was ich auch tun würde: Irgendwem der in Reichweite ist dafür Eine rein hauen. Danke! Auch ein wenig unklar ist, was hier Gut und Böse sein soll. Denn die Orks als Rasse fühlen sich missverstanden und gehen heutzutage alle ganz normalen Berufen nach und Uropas Drachenschlächteraxt verstaubt auf dem Dachboden. Aber wenn der Orkgott ruft, können sogar Klempnerorks und Menschen die glauben sie seien Orks über sich hinaus wachsen. Hel und Troy hingegen können ja nichts dafür, dass sie auf dieser SarkasmusQuest sind, tun sie es nicht, sterben sie, tun sie es, sterben sie eventuell.

Auffällig ist der gravierende Mangel an Tiefgang, bis eben auf die Tatsache: Nimm alles was du aus der Âventiure kennst und verkehr es ins Lächerliche. Auf dieser lustigen Spielwiese baut die gesamte Geschichte auf. Im Grunde ein Spaß für jeden FantasyFreund. Hat ein bisschen was von Munchkin (Das ist ein Kartenspiel… kann ich nur sehr empfehlen). Hier wird ein durchgehend flapsiger Ton geführt und es ist so locker geschrieben, dass es keinen Unterschied macht an welcher Stelle man die Nase aus dem Buch nimmt. Will sagen: einfach zu lesen, einfach zu verstehen, einfach zum schmunzeln. Gerade die allzu korrekten Orks, die nach der Randale brav die Schäden bezahlen und den Eintritt im Freizeitpark, hätten mehr subtiles Augenzwinkern vertragen können. Ständig wurde mit dem Finger drauf gezeigt: Guck’ wie brav diese Orks sind! Mehr Randnotizen wie: ‚Warf‘ den Müll noch eben vor Kampfbeginn in die Tonne und schwang’ dann seine Keule.’ hätten gut getan, aber ein Wortzauberer ist der Autor in meinen Augen nicht.

Fazit:

Wem diese Art Humor zu flach daher kommt, dem kann ich es nicht übel nehmen. Bei mir hat’s nach hinten raus arg nachgelassen vom Lachen her. Während ich zu Beginn wirklich freudig begeistert war. Völlig vergeigt hat der Autor das Ende. Nicht nur, dass Endschlacht, Endboss und Epilog zu kurz gekommen sind, es fehlt auch jeder Wink mit dem ironischen Spiegel um aus den typischen Fantasy-Quests die ins Gegenteil verkehrten Pendants zu kreieren; darüber hinaus rast die Handlung unaufhaltsam in Richtung: typisches Happy End.
Nein, da bleibe ich doch lieber mit den Orks auf der Feier nach dem Kampf gegen die Drachen, wenn ‚der Tod‘ auftaucht um die selbst zum Sterben zu sturen tödlich verwundeten Mitstreiter abzuholen - persönlich! Zu geil! Go Franklin, go!
Habt einfach Spaß beim Lesen, wenn ihr ein paar schöne Ecken in diesem Buch findet, denn es gibt sie! Aber erwartet trotz Rassismus, Oberflächlichkeit und Vorurteil-Thematik nicht zu viel von dieser Posse.


Um das Urteil zu finden, nehmen wir die Ausfahrt 42 zum Durchschnitt



Kommentare:

  1. Hi Annika,

    so beigeister wie du am Anfang warst, hätte ich jetzt irgendwie eine höhere Wertung erwartet...

    LG,
    André

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    1. Der Anfang allein macht es nicht! Und auch die Orkfeier könnten höchstens noch nen Punkt gut machen, aber dafür war es dann auch einfach zu wenig.
      Das Buch startete wunderbar hoch! Aber das Ende war absolut vergeigt... dazwischen gab es Höhen aber eben auch Tiefen...
      Du weißt doch, ich neige zu sehr harten Beurteilungen^^*knuff*
      Und bei mir ist ne 3 von 5 wirklich nicht schlecht!
      Knuff

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