Donnerstag, 10. Dezember 2015

[Vorstellung] Dancing Jax Trilogie (by Key)

Dancing Jax,
Robin Jarvis

script 5
Preis: TB je 14,95€
Genre: Fantasy




Dieser Beitrag umfasst alle drei Bücher, es gibt einen kurzen inhaltichen Überblick, sowie die klassischen Kategorien: Meinung, Fazit und Urteil. Allerdings ohne Lesekatzenvergabe.

Warnung
 
"Dieses Buch ist böse...
Du solltest dich ihm nicht nähern.
Du solltest nicht darüber sprechen.
Was auch immer du tust,
öffne es nicht!"


So. Und wer das gelesen hat, sollte einfach damit rechnen, dass es inhaltlich böse Sachen gibt. Wem schon die Aussicht auf Blut, Horror, Sadismus und menschenverachtender Mist zu viel ist, der soll sich ein Herz fassen und das Buch in das Regal zurück stellen. Da steht nicht umsonst: „Dieses Buch ist böse.“
Nachdem dies nun geklärt ist - hoffe ich, dass nur noch diejenigen unter euch dabei sind, die einen festen Magen haben und bereit sind sich den unschönen Dingen mit offenen Augen zu nähern ohne sich gleich beim Anzeichen von Gewalt und Grenzbruch abschrecken zu lassen. Denn wie ihr gleich sehen werdet, sind diese Bücher nicht halb so grauenhaft, wie man denken mag. Denn ihr wisst doch: ICH bin kein Horror/Thriller/Massaker Typ. Ich gucke statt „Saw“ „The butterfly effect“ und statt „28 days later“ „Zombieland“.
 
Darum geht's:
"2,47 Minuten später..."

Das Szenario beginnt in England. Wie man aus unzähligen anderen Rezensionen heraus lesen kann, findet jemand in einem alten Haus in einem schimmlig stinkenden Keller ein paar Kisten. Dort lagerten Bücher. Besagter Jemand nimmt sie mit. Da besagter Jemand ohnehin bald nicht mehr seinen Namen benötigen wird, kann er an dieser Stelle unterschlagen werden. Jemand hat einen kleinen Freundeskreis und verteilt die Bücher unter ihnen. Alle lesen es auch brav und ’schawupp’. Was haben diese Leute falsch gemacht? Richtig, die Warnung ignoriert: „Dieses Buch ist böse!“ Hätten sie einfach mal die Finger davon gelassen. Denn kaum ein paar Wochen später laufen die Leute einem ungeheuerlichen Trend hinterher. Jeder Idiot kommt auf die Idee und steckt sich eine Spielkarte ans Revers. Und da ist alles dabei: Von der 2 bis zum Ass. Was diese Menschen eint? Nun, JEMAND nennt sich mittlerweile Ismus und hat dafür gesorgt, dass das Buch vervielfältigt wird. Er geht dabei sehr klug vor. Verschenkt die ersten Exemplare bis er genug Fanatiker (davon leitet sich übrigens das Wort Fan ab) gefunden hat und dann bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Und bald will jeder das Buch.

Es wird eine Art Bibel. Von diesem ominösen Drang es zu lesen und dann ‚aufzuwachen‘ und eine Spielkarte sein zu wollen, bleibt auch eine kleine Familie nicht verschont. Während der Kleine noch versucht seine Mutter und seinen Stiefvater Martin zu warnen, bildet sich bald ganz England ein, wahlweise eine Karo 6 oder der Pik-Bube zu sein. Wobei, wie beim Kartenspiel üblich, die Bildkarten besondere Funktionen übernehmen. Abwechselnd werden verschiedene Protagonisten aufgegriffen, deren Kampf gegen die Macht und den Einflußbereich des Buches, schlimmer aber noch gegen die Mittel und Wege des Ismus und seiner Getreuen, beschrieben werden. Darunter auch Martin und Gerald oder Lee und Maggie, später dann Eun-mi und Spencer.

Das wäre aber zu einfach, nur ein wenig mit dieser Propaganda des Buches zu spielen, daher kommt noch eine Menge Okkultismus und Geheimniskrämerei hinzu. Der zweite Teil spielt größtenteils eine ganz neue Art des Grauens an. Denn wirklich geziept hat der erste Teil an der Nerven dahin gehend ja noch nicht so sehr. England ist mittlerweile abgeschnitten, aber der Ismus plant Größeres. Es geht um die Erweckung einer überirdischen (hm… vielleicht bösartigen - is jetzt nur geraten -) Macht und darum seine Spielkarten zusammen zu halten. Die Szenerie ist verlagert in ein Kinderarbeitslager. Denn es gibt nicht mehr viele Menschen die widerstehen. Die meisten die sich gewehrt haben oder auch nach wiederholten Male mentaler, psychischer Folter durch Vorlesen und indoktrinieren nicht als Spielkarte erwachen, wurden hingerichtet. Die wenigen die noch übrig sind, darunter ein kleiner Haufen Kinder in diesem Lager, müssen schwer schuften und die sehr widerwärtige Pflanze Minchet abbauen.

Dieses Erwachen funktioniert nun aber nicht nur in die eine Richtung. Nicht nur, dass die Leute herumlaufen und sich für einen Charakter aus dem Buch halten, welches mittelalterlich/ phantastisch anmutet, so also als die Bäckerin, die Wäscherin oder eine Hofdame oder ein Junker auftauchen und ihre echte Familie nicht mehr erkennen, da sie im Buch ja mit anderen zusammen sind, sie LEBEN ein zweites Leben. Sie SIND ihre Charaktere wirklich, in einer Art Parallelwelt kann man sich das vorstellen. Und aus dieser Welt schwappen nun auch die Schrecken in die echte. Grobschlächtige hässliche Wesen wie der Maugar, 'große Gaagler' oder die Punchillos, die die Wächter der Kinder werden und benehmen sich dabei mehr als unangebracht gegenüber Schutzbefohlenen. Das Ziel des Ismus ist es, die gesamte Welt zu infizieren. Und indem er den Rest der Welt schlichtweg einlädt das Buch zu lesen, muss er nur warten bis sich die Kopien Pandemieartig verbreiten. Dabei macht es nichts, dass die Charaktere doppelt, dreifach… drölfzigfach belegt werden. Hauptsache er und seine Bildkarten bleiben in der Erstbesetzung gleich.

Am Ende können ein paar der Kinder fliehen und Martin fügt sie zu seiner Widerstandszelle hinzu. Alles ist bereit für das Finale. Wähernd in der schönen idyllischen Märchenwelt ein ganz besonderer Charakter sein Unwesen treibt und der Leser so langsam erfährt, dass selbst das Böse nicht gegen Böses gefeit ist. Denn der Castle Creeper ist unterwegs. Und der Ismus schreibt, beseelt vom 'Prinz der Dämmerung' an dem Folgeband: 'Fighting Pax'. Aber das Gelingen hängt davon ab, ob der 'böse Hirte' besiegt werden kann. Während in Kent (England), dass weiße Schloß aus Mooncaster getreu nachgebaut wird, werden die letzte freie Bastion Nordkorea überrannt und die 'Abtrünnlinge' wieder einkassiert. Und die ganze Welt macht sich auf den Weg um die Veröffentlichung des neuen Buches beizuwohnen. Und der Ismus (Bedeutung: Theorie), äh Ishtmus (Bedeutung: Engstelle), hä - äh also Austerly Fellows hat sich dafür eigens ein Spiel ausgedacht: 'Die Bestie geht um'. Mit Seitenhieben auf diverse nerdige Dinge, seien sie aus StarWars oder einem John Wayne Western hält der Autor den Leser bei Laune und er lässt es sich auch nicht nehmen wahlweise auf Amazon, Starbucks oder McDonalds zu schimpfen.

Meine Meinung: 
  "Dieses Buch ist böse...
Keiner ist vor ihm sicher.
Sein dämonischer Fluch
kann jeden treffen.
Flieh, solange du noch kannst!"

Ein wenig habe ich davon schon einfließen lassen, wie ihr vielleicht gemerkt habt. Ich versuche dem Schrecken dieses Romans mit Hohn und Spott zu begegnen. Nicht weil es mir Albträume beschert, sondern weil es höchst kritisch ist. Es bettet die Kritik an der Leichtgläubigkeit, der Gutgläubigkeit und medialer Wirkung ein in dieses Schauermärchen. In eine Welt die in jedem x-beliebigen Fantasyroman stehen könnte. Aber NUR diesen Roman zu schreiben, reichte Jarvis nicht. Er wollte seinen Lesern zeigen was es mit der geballten Wucht des Erfolgs auf sich hat. Und er gibt dem ganzen einen makaberen Sinn. „Der diabolische Plan des Autors scheint aufzugehen.“ Ja, scheinbar nicht nur der des imaginären Autors von Dancing Jax, lieber Herr Jarvis - ein perfider evil plan, ich muss schon sagen: Hut ab.

Eine geschickt verpackte Perspektive, eine Megametapher, eine Dystopie, eine What-If. Sehr gelungenes Gehopse zwischen realen Vorbildern: Die Massen verstehen, begeistern, ihnen Brot und Spiele hinwerfen, sie glauben lassen und über sie gebieten. Des Ismus verkörpert alles an einem Diktator was man nur hassen kann. Aber er selbst ist eine sehr willensstarke Figur, welche den Spagat von 'Genie und Wahnsinn' aufgreift. Seine Herzdame, Karo-Bube usw sind dabei völlig aufgegangen in ihren Rollen. Immer mal wieder wird die zu trister Schreckensherschaft verkommene Realität aufgebrochen von Szenen im Buch, beim Rübenlaternen basteln, Hexen besuchen, Legenden großer Ritter, Hofbälle und Turniere. Allein diese innere Geschichte wäre es wert gelesen zu werden. Aber wahrscheinlich war es Jarvis zu gefährlich zu viel davon seinen Lesern zuzumuten, am Ende fangen die sonst noch an seine Schreckensvision wahr werden zu lassen und ziehen wahllos eine Karte aus einem Rommeé-Deck. 

Klar ist dabei übrigens auch, das nicht jeder Mensch Widerstand leistet. Für einen Großteil der Menschen bedeutet es die Chance auf einen Neustart. Eine neue Identität - eine neues Charakterblatt. Sie vergessen wer sie wirklich gewesen sind und akzeptieren einfach ihre neue Gestalt und ihre damit einhergehenden Aufgaben. Einzig der Ismus ist in der Lage beide Welten zu sehen. Über den Tod unzähliger 'Mitspieler' in dem Fall, war ich beim Lesen stets betrübt. Zimperlich ist dieses Werk nicht, aber schon ein wenig vorhersehbar. Gedämpft wurde mein Genuß nur aufgrund der christlichen Einschübe über Luzifer und Christus. Wett gemacht hat das aber der heimtückische Hinwies: "Als FreundIn entfernen."

Fazit: 
"Dieses Buch ist böse...
Es hat bereits die ganze Welt infiziert.
Nur wenige konnten sich ihm entziehen
und leisten nun erbitterten Widerstand.
Gehörst du zu ihnen?"

Für mich war dieses Werk ein außergewöhnliches Leseerlebnis. Und ich habe mit staunenden Augen an den Seiten geklebt. Es gibt bestimmt bessere Lektüre aber es gibt bestimmt kein Buch, nachdem ich nicht so sehr auf der Hut war und mir mal wieder dachte: „Nur weil alle es toll finden, muss ich nicht hinterher zuppeln!“ 
Es geht um die Chance jemand in einem Buch sein zu dürfen. Wie oft wünschen wir uns das nicht beim Lesen. Und doch holt mich diese Trilogie mal wieder runter von diesen romantischen Ideen. Und zeigt mir, was passieren würde, hätte jemals ein Buch eine solche Macht, wie wir sie uns in anderen (nur peripher) ähnlichen Büchern vorstellen (Ich denke da zB an Tintenherz). Jarvis hat dabei keine Probleme, seine Charaktere über die Klippe springen zu lassen. So ein wenig wie bei Alice im Wunderland: „Ab mit dem Kopf!“

Dieses Buch habe ich bewusst gekauft, weil die umgekehrte Psychologie funktionierte: „Dieses Buch ist böse… leg’ es sofort wieder weg!“ Ok, gekauft! Und der Einband denkt sich: „Samma, hassu mir nich zugehört, oder was?“ Frei Haus mitgeliefert gibt es also die Warnung ganz von selbst. Und ich sage ehrlich, es war das Zusammenspiel dieses Satzes mit dem Cover welches mich direkt fasziniert hat. Über den Würgereiz-Gehalt kann man sich streiten. Ich find es gar nicht so heftig. Es gibt immerhin keine Zombies. Na ja… also keine normalen… nur Bücherverrückte, gänzlich dem freien Willen beraubte, gehirngewaschene Normalos. Also mir kommt das leider nicht allzu abwegig vor.

Eines weiß ich aber mit Sicherheit. Weihnachten ist dies Jahr für mich gestrichen!
Das Beste aber? Trotz Happy End finde ich, dass die 'Bösen' in diesen Büchern es sich verdient haben zu gewinnen. Denn sie waren immer einen Schritt voraus und einfach besser organisiert und ihre Fehlerquote hielt sich in Grenzen. Und wer nun wissen möchte, wer 'das Böse' war, in diesem Kartenspiel, dem empfehle ich NICHT die Bücher zu lesen. Nein, viel profaner: "Seht doch mal in den Spiegel!"

"Mit dem richtigen Anreiz sind die Menschen
zu den verdorbensten, korruptesten und
grausamsten Taten fähig."
 
Urteil:
Diese Bücher sind fies und nichts für Halbstarke. Und nen 'i'-Tüpfelchen zum Schluß, gibt's auch noch.

Titel:
Dancing Jax - Auftakt
Dancing Jax - Zwischenspiel
Dancing Jax - Finale

Hinweis: 
Wenn auf der Speisekarte eines Restaurants steht: "Diese Currywurst mit Tabascosauce hat 5.000 Scoville - scharf!" und ihr mögt es schön scharf, dann bestellt es euch. Ihr könntet dann denken: Och, das war ja lasch... Normalerweise bin ich Piri-Piri gewöhnt (50.000 Scoville). Oder ihr seid gar wahnsinnig und testet ne "MadDog 357 No9 Plutonium" mit 9.000.000 Scoville. Dann is dieses Buch für euch nur halb Horror. Wenn ihr aber schon bei ner einfachen Peperoni mit 100 Scoville nach Milch ruft, dann lasst euch gesagt sein: auf der Speisekarte stand nicht umsonst: scharf dahinter! So ist es mit dieser Trilogie. Da steht BÖSE, FLIEH! Also beschwer' dich nicht, wenn hier andere Töne angeschlagen werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...