Sonntag, 24. Januar 2016

[INTERVIEW] Lucie über Alessandra Reß



Alessandra Reß
Hallo ihr da draußen. Ich heiße Lucie, bin 17 Jahre alt und gehe noch zur Schule – womit ich eigentlich kein Problem hätte, wenn nur nicht meine Mitschüler wären. Falls ihr jemals „Spielende Götter“ aus dem ohneohren-Verlag lest, werdet ihr feststellen, dass sie nicht gerade die Nettesten ihrer Art sind.
In meiner Freizeit spiele ich oft Holus, eine Art Fantasy-Simulation, dessen Figuren mir um einiges sympathischer sind als die meisten „realen“ Leute. Also, nicht dass ihr jetzt denkt, ich wäre computerspielsüchtig oder so. Alle, die es sich leisten können, spielen Holus und die meisten verbringen noch viel mehr Zeit damit als ich. Meine Freundin Ophelia zum Beispiel, die … oh, entschuldigt, ich schweife ab. Eigentlich soll ich ja über Alessandra reden, meine Autorin, die mir die ganzen Scherereien mit meinen Mitschülern und in Holus eingebrockt hat. Ich frage mich, was sie erst mit den virtuellen Spielfiguren anrichten würde …
 
1. Wir kennen Alessandra Reß ja schon ein wenig durch unser Gespräch mit Simon. Würdest du sie auch so beschreiben? Oder siehst du Alessandra ganz anders?
Er hat schon recht, wenn er meint, dass sie zu viel über alles nachdenkt. Angeblich mache ich mir ja schon zu viele Gedanken, aber wenn ich erst alles überanalysiert hätte, würde ich immer noch zitternd die Schulpausen abwarten. Zugegeben, ohne die Planung von Ophelia bzw. Taryantas hätte ich in meinem Aktionismus womöglich alles eher verschlimmert, aber trotzdem – manchmal ist es besser, endlich loszulegen, als ewige Pro- und Kontralisten zu führen.
Aber ich glaube, wir sind uns dennoch recht ähnlich, Alessandra und ich. Wir sind beide eher schüchtern, haben aber ein Talent dafür, zu reden, bevor wir die Konsequenzen richtig bedacht haben und sehen uns bei aller Träumerei doch als Realisten. Hm, das klingt seltsam, aber ich denke, so kann man das sagen.

2. Verrate uns doch mal, was sich seit unserem Interview mit Simon bei Alessandra so getan hat. Gab es da etwas Neues, von dem wir unbedingt wissen sollten?
Sie hat ihr Studium abgeschlossen, aber viel entscheidungsfreudiger ist sie dadurch auch nicht geworden. Sie lässt sich so treiben, was zum Beispiel darin resultiert hat, dass sie umgezogen ist und nun ein Volontariat zur Print-Redakteurin absolviert. Nebenher macht sie noch verschiedenen anderen Kram, zum Beispiel hat sie seit dem Gespräch mit Simon zwei neue Romane veröffentlich – neben „Spielende Götter“ ist das ein Larry Brent-Band namens „Melodie der Toten“.

3. Wir plaudern hier ja so ganz gemütlich im stillen Kämmerlein, aber sag mal, wie verhält sich Alessandra denn außerhalb so? Ist sie nett zu ihren Lesern? Sucht sie das Scheinwerferlicht und strahlt in jede Kamera? Oder ist sie eher schüchtern und bekommt vor öffentlichen Auftritten Herzrasen und Schweißausbrüche?
Beides, würde ich sagen. Sie meldet sich gerne für ähm, Auftritte im Scheinwerferlicht an, zum Beispiel, indem sie hin und wieder Lesungen macht oder auf Cons mit Stand anzutreffen ist. Ich denke, sie mag den Kontakt, den das zu Ähnlichgesinnten mit sich bringt. Aber nach der Anmeldung überfallen sie dann oft Zweifel, ob die Idee dazu wirklich so gut war. Ist der „Auftritt“ erst einmal da, ist meistens alles okay, aber davor verbringt sie oft ein paar nicht so schlafintensive Nächte. Trotzdem, ohne Leserkontakte wäre das alles nur halb so spannend für sie und alles virtuell zu machen, ist auf die Dauer irgendwie auch nicht das Wahre. Oh, und nett ist sie natürlich eh ;) Zumindest zu ihren Lesern.

Aha, das klingt ja spannend. Können wir uns davon auch selbst überzeugen? Wo kann man Alessandra denn demnächst mal live erleben?
Aktuell ist nichts geplant, aber wenn der Sommer mit seinen Cons kommt, wird sie sicher wieder auf der einen oder anderen anzutreffen sein. Sie veröffentlicht die Termine dann auf ihrem Blog.

4. Wir wissen ja schon, was Alessandra so neben dem Schreiben treibt und wie sie beim Schreiben vorgeht. Aber wie ist es bei dir? Was tust du so den ganzen Tag, das dazu führte, dass Alessandra über dich schreiben musste?
Wie gesagt, ich spiele oft die Simulation Holus. Sie ist für uns ein Statussymbol und von den Ereignissen dort hängt auch unser Ansehen in der Primärrealität ab (ihr würdet vielleicht Real Life sagen). Das heißt: Wer einen mächtigen Avatar hat oder über möglichst viele und möglichst wohlhabende Städte beherrscht, braucht sich um seinen Status in der Primärrealität nicht zu sorgen. Wer dagegen Städte oder sogar seinen Avatar verliert, der wird sehen, wie ihm seine Freunde den Rücken zukehren. Wenn man Pech hat, kann man durch so etwas sogar seine Arbeit oder sein ganzes Hab und Gut verlieren.
In „Spielende Götter“ wollte ich Holus nutzen, um mich an meinen Mitschülern zu rächen, indem ich ihr virtuelles Ansehen schädige. Allerdings ist das Ganze dann etwas aus dem Ruder gelaufen …

5. Wenn du Alessandra mal etwas Gutes tun könntest, was wäre das?
Hm. Vielleicht würde ich sie Holus spielen lassen ;) Oder dafür sorgen, dass sie an einen Ort ziehen kann, an dem es ihr besser gefällt als dort, wo sie momentan wohnt.

6. Gibt es etwas, von dem du glaubst, sie sollte das unbedingt noch lernen? Einen Ort, den sie unbedingt einmal sehen sollte?
Es würde ihr Leben deutlich erleichtern, wenn sie sich endlich wieder trauen würde, Auto zu fahren. Ich kann das zwar auch nicht, aber im Gegensatz zu ihr habe ich ja einen Chauffeur. Sie könnte dann mehr Cons besuchen oder häufiger spontan an die Nordsee fahren. Was mit dem Auto schwierig zu erreichen ist und sie trotzdem einmal sehen sollte, sind verschiedene Orte in Südkorea, Japan oder China. Sie hätte vermutlich Bammel vor der Reise, aber ich denke, da gäbe es einiges zu besichtigen, was ihr gefallen würde.
Ach ja, sie sollte außerdem ihre Selbstverteidigungsskills verbessern. Das gilt für mich aber auch.

7. Der Film zum Roman! Na komm, lass uns ein wenig träumen (oder auch nicht). Wie sähe deine ideale Verfilmung deiner Geschichte aus? Wer müsste dich spielen? Wer sollte Regie führen? Dürfte Alessandra das Drehbuch schreiben und einen Cameoauftritt haben oder besser nicht? Wer macht die Filmmusik? Und – natürlich ganz wichtig: Wer begleitet Alessandra zur Oscarverleihung?
Kennt ihr den Film „Ben X“? Er ist teils mit realen Schauspielern gedreht worden, teils nutzt er das Rollenspiel „Archlord“ für seine Szenen. Ich kenne „Ben X“ zwar nicht, aber Alessandra meint, wenn „Spielende Götter“ verfilmt würde, wäre dieses Vorgehen auch hierfür ideal. Dass also die Szenen in der „realen“ Welt mit echten Schauspielern und Umgebungen gedreht würden, die in der virtuellen Umgebung aber einer Computerspieloptik entsprächen.

Wer mich spielen sollte, darüber habe ich tatsächlich noch nie nachgedacht und ich kenne eure Schauspieler ja gar nicht. Aber wenn ich mal so tue, als wäre ich in eurer Welt oder Zeit zu Hause … nun, so spontan fände ich Alicia Vikander optisch treffend (klingt das eingebildet?) und sie ist eine tolle Schauspielerin. Gut, mit 27 passt sie vom Alter her nicht mehr ganz so gut zu mir … Aber wir träumen ja.
Als Regisseur könnte ich mir Dennis Gansel vorstellen, beim Soundtrack sollten sich Tomandandy und Junkie XL zusammentun. Das Drehbuch bleibt am besten bei Alessandra und sie darf auch einen Cameo-Auftritt haben, aber nichts Großes. Früher hat sie gerne Theater gespielt, inzwischen fühlt sie sich dabei nicht mehr besonders wohl. Sie könnte in einer der Szenen in Cytear durchs Bild laufen, auf dem Markt vielleicht. Zur Oscarverleihung taucht sie mit einer ihrer Schwestern auf. Mit welcher, das wird ausgelost.

8. Lass uns mal einen Blick in Alessandras Schlafzimmer werfen ... Was liegt auf dem Nachttisch? Welche Kollegen liest sie selbst gern?
Im Moment hat sie keinen Nachttisch, weil sie sozusagen seit fast einem Jahr auf ihren Umzug wartet und meint, bis dahin würde es sich nicht lohnen, sich einen anzuschaffen. Finde ich eher unpraktisch, aber okay. Gerade hat sie Art Spiegelmans „Maus“ ausgelesen und mit Terry Pratchetts „Die Krones des Schäfers“ angefangen (die Tiffany Weh-Bücher sind ihre Liebsten von Pratchett). Ansonsten liest sie z. B. gerne die Bücher von Joey Goebel oder Anthony McCarten.

9. Bevor du uns wieder verlässt, kannst du uns noch schnell ein paar anstehende Neuigkeiten verraten? Wann können wir mehr von Alessandra lesen?
Voraussichtlich im Februar erscheint eine postapokalyptische Novelle von ihr bei Amrûn. Außerdem ist sie in zwei Anthologien vertreten und im Laufe des Jahres kommt „Spielende Götter“ auch noch in der Printversion heraus – bisher wurde ja nur das E-Book veröffentlicht.
10. Ein herzliches Dankeschön an Lucie für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchten wir auch diesesmal dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Lucie gesagt wurde.
Tarsem Singh wäre auch ein guter Regisseur für „Spielende Götter“. Und – ich bin nicht unentschlossen, ich wäge nur sorgfältig ab.



Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren möchtet, besucht sie doch einmal auf ihrer Homepage, bei Facebook oder Twitter.

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