Sonntag, 14. Februar 2016

[INTERVIEW] Becky über Tanya Carpenter



Becky ist die beste Freundin der beiden Zwillingsschwestern Celia und Theresa Briddle aus dem Roman „Alle Tage unseres Lebens“, der im books2read-Lable des Cora-Verlages erschienen ist. Die lebenslustige Irin ist dabei eher eine Randfigur, da sich die Geschichte um Celias Tumorerkrankung dreht und um ihre große Liebe Brandon, den sie auf ihrer Reise durch Irland kennenlernt. Becky ist die Stütze in der Geschichte; sie gibt Halt und guten Rat und manchmal auch den Schubs in die richtige Richtung.

Willkommen, nimm Platz *Küsschen, Küsschen* bitte bedien dich doch an den Keksen und der Milch. Und wenn wir fertig sind, zeige ich dir meine Schuhsammlung – wenn das kein Anreiz ist?

1. Stell uns Tanya Carpenter doch erst einmal kurz vor.
Ich habe Tanya als einen gewissenhaften und äußerst nachdenklichen Menschen kennengelernt. Sie verfügt über ein hohes Maß an Empathie, was zwar einerseits für einen Autor sehr hilfreich sein kann, andererseits das Leben nicht immer leicht macht.

Und Schuhe? Liebt sie Schuhe?
Sie leugnet hartnäckig und ehrlich gesagt, ist ihre Sammlung auch recht überschaubar. Aber in der letzten Zeit kommen doch öfter als gewöhnlich welche dazu und sie wagt sich auch wieder an Farben heran. Taubenblau, Rostbraun und Tannengrün sind gerade sehr angesagt bei ihr. Aber sie ist da nicht die typische Lady, die sich in schmale High Heels quetscht. Bequem und praktisch müssen sie sein. Und (man glaubt es ja kaum) momentan ist sie auf der Suche nach Gummistiefeln!!??!! Kann man sowas verstehen? Dass eine Frau nach Gummistiefeln sucht? Ich fürchte ja, da hat ihre geistige Exkursion nach Irland ein klein wenig abgefärbt. Oder die Aussicht auf den kommenden Winter. Oder beides. Denn es sollen Thermogummistiefel sein. Keine typischen Regen- oder Gartenstiefel, sondern schon was womit man wandern kann. Ich würde das ja nicht Gummistiefel nennen, sondern robuste Treckingstiefel. Tja, sie sollte eben doch mal wirklich nach Irland reisen und nicht nur im Geiste. Denn dort gibt es viele Geschäfte, die gutes Schuhwerk verkaufen, mit dem man unbeschwert und zu jeder Jahreszeit dieses wunderschöne Land durchwandern kann.

2. Was denkst du über Tanya Carpenter, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich beneide sie nicht dafür, aber ich fühle ich mir sehr verbunden, weil sie sich soviele Gedanken um andere macht und das Wohl ihrer Lieben immer über alle anderen Dinge stellt. Auch über sich selbst. Darin sind wir uns ähnlich. Ich glaube, das hat mich auch in die Geschichte gebracht. Vielleicht hat es die Geschichte von Celia, Theresa, Brandon und Carl auch überhaupt erst ins Leben gerufen, dass Tanya und ich über unseren Charakter dieses enge Band haben. Ich war sozusagen die Brücke für sie zu dieser Story.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Träumen, grübeln, suchen. Das trifft es wohl. Ihre Gedanken kommen nie zur Ruhe. Wenn sie könnte, würde sie wohl häufig für ein paar Stunden in die Weiten der irischen oder schottischen Landschaft flüchten und einfach alles mal hinter sich lassen. Aber dazu ist die Entfernung etwas zu weit und Teleportation gibt es nunmal leider noch nicht.
Darum flüchtet sie regelmäßig mit ihren Vierbeinern hinaus in die Natur, um dort wieder durchatmen und auftanken zu können. Das braucht sie einfach. Wenn es ganz schlimm wird, schottet sie sich mit getragener Instrumentalmusik von allem ab und geht mit ihren Gedanken auf Reisen in ferne Welten. Wenn sie dabei nicht ständig neue Geschichten mitbringen würde, könnte ich mich sogar mit ihr über diese „Ersatz-Reisen“ freuen.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? Und wie sieht es mit dem Kleiderschrank aus, ist er ordentlich?
Tanya ist ein Chaot. Auch darin ähneln wir uns. *lach* Sie ist ein Bauchmensch und folgt einem inneren Kompass. Der findet sich in den willkürlichen Strukturen ihres Lebens perfekt zurecht. Akkurate Dinge sind daher nicht ihr Ding. Wohl mit ein Grund, warum sie keine starren Vorbilder hat. Sie bewundert manches an dem ein oder anderen, aber ein Idol im klassischen Sinn hat sie nicht. Vorbildfunktion haben da eher Kulturen, Mythologien oder auch Familienverbände aus der Tierwelt. Sie hat ein Faible für Wölfe und in Kombination mit dessen Status in der indianischen Mythologie ergibt sich wohl eine Art Vorbild, dem sie zustrebt. Das ist aber dennoch alles sehr vage. Wenn es ein Vorbild gäbe, wären das wohl edle, irische Elfenwesen, die mit sich und der Natur in völligem Einklang leben.

5. Gibt es Rituale, die Tanya Carpenter beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Nun, Musik hat sie ja immer schon gebraucht beim Schreiben. In letzter Zeit nimmt ihre Sammlung aber ungewohnte Ausmaße und vor allem Richtungen an. Ich werde das Gefühl nicht los, das sie da eine neue Quelle aufgetan hat, die sie regelmäßig mit entsprechenden Vorschlägen versorgt. Jedenfalls finden sich eine Menge youtube-links in ihrem Postfach und immer vom selben Absender.

6. Wie hast du sie kennengelernt? Details, wir brauchen Details...
Als sie auf Celias Geschichte gestoßen ist, suchte sie in ihrem und Theresas Umfeld nach jemandem, der als ruhiger Pol dem ganzen eine Basis geben konnte. Auf den sie zurückgreifen konnte, wenn es allzu emotional wurde. Mich hat das zwar auch enorm mitgenommen und bewegt, schließlich sind die beiden Zwillinge meine allerbesten Freundinnen und wie eine zweite Familie für mich. Aber ich konnte dennoch auch stets einen klaren Kopf bei allem behalten. Tanya und ich haben lange Gespräche geführt, vor allem über die Vergangenheit der beiden Mädchen, die im Roman zwar nicht weiter hervortritt, aber wichtig war, um sie und die Entwicklung ihrer Geschichte zu verstehen.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Das ist, soweit ich bisher mitbekommen habe, ganz unterschiedlich. Es gibt einfach zuviele Auslöser für die Geschichten, die in ihr reifen. Und genauso verhält es sich auch mit den Charakteren und deren ersten Begegnung mit Tanya. Manche sucht sie gezielt, andere kommen unverhofft auf sie zu. Einige sind von vornherein sehr mitteilsam, die muss man eher zwischendurch bremsen, damit es nicht ausartet. Andere sind eher verschwiegen und man kann ihnen die Geschichte nur sehr behutsam entlocken. Bei wieder anderen ist es so wie bei uns, und Tanya muss sich jemanden aus dem Umfeld suchen, um die Geschichte in einen Rahmen zu geben.  

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Tanya Carpenter so besonders?
Wie ich schon sagte, ich denke, dass ich das Bindeglied in „Alle Tage unseres Lebens“ bin. Ich habe ja nur eine kleine Nebenrolle, aber eben die entscheidende, weil ich für Celia und Theresa der Halt bin, den sie brauchen und auch diejenige, die im richtigen Moment einen Schubs in die richtige Richtung gibt. Dass ich keine Hauptrolle habe, ist völlig okay, ich muss nicht im Vordergrund stehen. Meine Stärke ist es, im Hintergrund zu bleiben und die ruhige Basis zu sein. Derjenige, der alles besonnen und mit Bedacht gegeneinander aufwiegt und Entscheidungen fällt, die nicht allein von Emotionen getragen sind. Das heißt nicht, dass ich alles nüchtern und kalt von außen betrachte und mich das selbst nicht berührt. Ich liebe die beiden Mädchen ja sehr und habe natürlich auch mit ihnen gelitten, in jeder Hinsicht. Aber genau darum geht es. Sich davon nicht mitreißen zu lassen, denn das hätte ihnen ja nicht geholfen, sondern ihnen Stütze und Ratgeber zu sein. Das Wohl der anderen steht für mich im Vordergrund. Genau darin sind Tanya und ich uns sehr ähnlich, denn auch sie neigt dazu, die eigenen Bedürfnisse zum Wohle ihrer Liebe oder auch zugunsten ihrer Pflichten zurückzustellen. Ja, ich fürchte, da ist sie noch extremer als ich, weil sie dabei oft völlig vergisst, auf sich selbst zu achten und sich auch mal eine Pause zu gönnen. Im Gegenteil, sie versucht sogar noch die Sorgen und Probleme der Leute zu lösen, mit denen sie eigentlich gar nicht viel zu tun hat. Aber ich merke, ich verliere gerade den Faden. Also zurück zum Punkt: Ich bin in der Geschichte das Zünglein an der Waage sozusagen und gleichzeitig der Fels in der Brandung.

9. Werfen wir doch mal einen Blick ins Lifestyle Magazine: Welche neuen Trends wird sie hervorbringen? An welchen Designerstücken wird aktuell gearbeitet? Wann dürfen wir sie wieder auf dem roten Teppich bewundern? Und ganz wichtig: WER wird sie auf dem roten Teppich begleiten?
Zumindest wird es in Kürze etwas modisch bei ihr. *lach* In einer modernen Version des Gestiefelten Katers geht es ab in die Modewelt und auch in ihrem Erotik-Thriller haben wir es mit Kunst, Fotografen und Models zu tun. Das alles wird aber erst 2016 das Licht der Welt erblicken, was ja zum Glück nicht mehr so lange hin ist.
Auf dem „roten Teppich“ tritt sie ja nach wie vor eher alleine auf, aber immerhin inzwischen zunehmend häufiger im Kreise ihrer literarischen Familie. Der Ashera-Familie eben. Wer weiß, wer sich aus diesen Reihen 2016 alles mit ihr zusammen einfinden wird. Viele kennen sich ja bereits recht gut, andere sind erst frisch dazugekommen. Das ist in jedem Fall immer spannend.

10. Ein herzliches Dankeschön an Becky für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Becky gesagt wurde.
Es gibt auch schicke Gummistiefel! Und immerhin halten sie zuverlässig Schnee und Regen ab. Nur gefüttert sind sie echt schwer zu finden.



Mehr zur Autorin erfährt man auf ihrer Homepage oder auf ihrer Facebookseite. Der Roman "Alle Tage unseres Lebens" ist bei books2read erschienen.

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