Donnerstag, 25. Februar 2016

[REZENSION] Tom, Eine Knastgeschichte - von Dorothea Müller (by Valli)

Tom - Eine Knastgeschichte, Dorothea Müller
Verlag 3.0 , 2015
160 Seiten
Preis:
Broschiert: 9,50 €
Ebook: 4,99 €
ISBN:978-3956672033


Inhalt: Tom sitzt im Knast, ohne Schulabschluss, ohne Außenkontakt und ohne Hoffnung auf eine Zukunftsperspektive.
In der Isolation und Einsamkeit seiner Zelle beginnt er, über sein Leben nachzudenken.
Die Akzeptanz zweier ausländischer Knastkumpel und die Zuwendung eines älteren Vollzugsbeamten lassen sein verkümmertes Selbstbewusstsein, das er zeitlebens hinter einer großen Klappe und Macho-Verhalten verborgen hat, langsam erwachen.
Die Hilfe eines ehrenamtlichen Betreuers von "draußen", gegen den er sich zunächst mit aller Macht sträubt, gibt ihm das Selbstvertrauen, einen Schulabschluss zu versuchen. Die Begegnung mit dem Ehrenamtlichen gestaltet sich nicht konfliktfrei. Doch Schulte, lebenserfahren und beharrlich, lässt sich von Tom nicht provozieren und gewinnt nach und nach sein Vertrauen. Hierbei ist nicht zuletzt Schultes Hund Falco in Mittler, durch den Tom mehr versteht, als im Worte hätten begreiflich machen können.




Meine Meinung:



Tom sitzt im Knast.


Er ist alleine und hat niemanden, der ihn besuchen kommt. Seine einzigen Freunde im Gefängnis sind Kemal und Pino. Doch an Weihnachten kommt ein Paket von einem fremden Mann. Dieser möchte ihm das Lesen und Schreiben lehren.



Toms Geschichte ist eine sehr traurige Geschichte. Er hat eine zerrüttete Familie. Sein Vater war Alkoholiker und seine Mutter das Opfer seine Wutausbrüche. Nur seine Schwester war immer für ihn da als Ersatzmutter. Doch auch sie hat nicht mehr viel Kontakt zu ihm. Er beschreibt sie als eine sehr naive Frau, die sich stets durch die Männerwelt hangelt und nach  jedem Mann mit einem neuen Kind zurückbleibt.


Während Tom anfangs noch recht wütend ist und über die Einsamkeit und den Suizid eines Mitgefangen erzählt, verändert sich seine Einstellung während er im Gefängnis sitzt.
Er sieht seine Chance und geht in die Schule, um seinen Schulabschluss nachzuholen. Er nimmt sogar an der Gefängniszeitung – AG teil, um dort mit seinen Freunden Artikel zu verfassen und diskutieren zu können. Nachdem er an Weihnachten ein Paket bekommt von seinem neuen Betreuer, ist er noch voller Misstrauen. Auch die ersten Treffen gestalten sich als recht schwierig. Doch umso mehr Tom bemerkt, dass er langsam das Lesen lernt, fasst er immer mehr Vertrauen zu seinem Betreuer und traut sich sogar zu mit ihm in Belastungserprobung zu gehen (d.h. die Gefangenen dürfen mit dem Betreuer aus dem Gefängnis raus für ein paar Stunden oder ein Wochenende).
Er fängt an umzudenken und sieht das Gefängnis als eine Chance sich zu bessern und vieles in seinem Leben zu ändern, wenn er wieder auf freiem Fuß ist.



Das Buch ist auf eine ganz bestimmte Weise geschrieben. Ich konnte nicht einschätzen, wie alt Tom sein soll.. doch ich gehe von Anfang 20 aus. Die Schreibweise ist recht kindlich und manchmal auch ein wenig naiv. Doch gerade das gibt dem Buch natürlich seinen Charme.


Gut finde ich ebenfalls, dass der Leser nicht weiß, warum Tom im Gefängnis ist. So lernt man ihn als einen normalen jungen Mann kennen, demgegenüber man keine Vorurteile hat.



Die Autorin beschreibt in Tom perfekt die Gefühle, die Menschen in dieser Lebenslage haben. Sie haben noch nie die Liebe einer Familie erlebt und oft von Kind auf Erfahrungen mit Gewalt gemacht. Es fällt ihnen schwer ihr Misstrauen abzulegen und positive Gefühle zuzulassen.  Doch kann man hier auch gut sehen, dass in Tom ein hilfloser kleiner Junge steckt, der sich freut über einen Freund und einem Menschen, der ihn behandelt als wäre er „normal“. So sieht er in seinem Betreuer im Laufe der Zeit einen engen Freund.





Was ich jedoch kritisieren muss:  Dieses Buch zeigt ein deutsches Gefängnis, das den Insassen die Möglichkeit gibt, ihren Schulabschluss nachzuholen, in Belastungserprobung zu gehen oder an diversen AGs teilzunehmen. Die Insassen werden also auf das Leben „da draußen“ vorbereitet. Tom kommt als aggressiver Mensch und die Zeit im Gefängnis hilft ihm dabei, sich selbst zu finden und sein Leben ändern zu wollen. Jedoch wird im Vorwort betont, wie schrecklich Gefängnisse sind und dass Menschen nicht in der Lage sind nach dem Gefängnis ein normales Leben zu führen.


Doch leider ist in der Geschichte gerade das Gegenteil der Fall und ich verstehe nicht, warum das Vorwort hier vorangestellt wurde.



Deswegen bekommt " Tom - Eine Knastgeschichte":


                                      

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