Freitag, 19. Februar 2016

[REZENSION] Yaron - von Elisabeth Wintermantel (by Valli)


Yaron, Elisabeth Wintermantel
2014, Verlag 3.0
248 Seiten
Preis:
Broschiert: 16,90 €
E-Book: 4,99 €
ISBN: 978-3956670695

Inhalt:
Ein deutscher Junge kommt durch sonderbare Umstände in Kontakt mit einem fast gleichaltrigen Jungen, der aus Russland nach Deutschland kam, um sich um seine jüngere Schwester zu kümmern, während die Mutter als Saisonarbeiterin in der Schweiz das Geld für den Unterhalt der Familie verdient. Recht schnell entwickelt sich eine Freundschaft zwischen diesen so verschiedenen Jungen.
Das Schicksal des russischen Jungen weckt vor allem beim Großvater des deutschen Jungen Erinnerungen an seine eigene Kindheit und seinen älteren Bruder, der sich 1945 auf der Flucht von Ostpreußen in den Westen um den jüngeren Bruder kümmerte und unter der Bürde der Verantwortung litt. Das Interesse, das der russische Junge und seine deutsche Schwester wecken, führt zu Nachforschungen und letztlich zu einer Hilfsaktion, die mangels Informationen in die falsche Richtung läuft.
Eine schnelle Lösung ist gefragt ... und sie kommt ... doch anders, als erwartet.



Meine Meinung:


Yaron – Sein Vater lebt in einem Wohnheim und seine Mutter arbeitet in der Schweiz. Er lebt alleine mit seiner kleinen Schwester Ella und hat die Aufgabe über die Runden zu kommen. Keinem darf auffallen, dass die beiden alleine sind, weil sie ansonsten ins Heim oder sogar wieder zurück nach Russland abgeschoben werden.
Erstmals fällt Yaron in einem Bastelgeschäft auf, als er für Ella eine Schultüte kauft und so nimmt das Ganze seinen Lauf. Yolanda, die Besitzerin des Geschäfts und ihre Mitarbeiter Oskar machen sich Sorgen um Yaron und beschließen mit Hilfe von Jonathan, Oskars Enkel, mehr über die beiden herauszufinden und ihnen zu helfen.


Am Anfang dieses Buches kommt Jonathan als Erwachsener zu Wort. Er erzählt die Geschichte von Yaron mehrere Jahre nach dem Geschehnis aus der Perspektive aller Beteiligten. Zur Hilfe nimmt er Oskars Tagebücher, die er Jonathan nach seinem Tod hinterlassen hat. Daher kommt es, dass am Ende eines jeden Kapitels noch einmal der erwachsene Jonathan zusammenfasst oder erklärt, was zu dieser Zeit in ihm vorging. Dies gibt dem Buch einen besonderen Charakter, da die Geschichte um Yaron und seine Familie sehr realistisch wird. Ich gebe zu, dass ich mehrmals die kurze Biographie der Autorin gelesen habe, ob es Jonathan und Yaron nicht doch wirklich gab. Ein großes Kompliment an die Autorin, die diese Geschichte sehr authentisch geschrieben hat.


Ein weiterer Pluspunkt sind die vielen verschiedenen Perspektiven. Man kennt das Innenleben jeder Figur, die in dieser Geschichte eine tragende Rolle spielt. Selbst Elvira, die Mutter der beiden Kinder, bekommt eine Erklärung für ihr Verhalten. Die Autorin lässt sie keineswegs als durchweg „böser Part“ in dieser Geschichte stehen, sondern versucht ihre Situation zu schildern. Nachvollziehbar wird diese jedoch für mich nicht. Zudem verstehe ich nicht, wie diese Kinder in ihre Lage kommen konnten. Ich bin mir sicher, dass in Deutschland eine derartige Situation absolut nicht sein muss und die Mutter sich Hilfe hätten holen können. Warum sie dies nicht getan hat, wird mir in dem Buch nicht ganz klar.
Besonders gefiel mir, dass die Mutter Gudrun von Jonathan, welche meist eher als die nervende, einengende Mutter beschrieben wird, zum Schluss die „Heldin“ der Geschichte wird. Denn sie steht im totalen Widerspruch zu Elvira.  Sie zeigt ihrem Sohn, was es heißt, eine fürsorgliche Mutter zu haben.

Ich fand dieses Buch wirklich sehr berührend und absolut toll geschrieben. Die Autorin konnte sich in jede Figur hineinversetzen und jeder Gedanke war für mich nachvollziehbar. Und obwohl so viele Charaktere hier aufeinander treffen und helfen wollen, war doch keiner der Figuren nervig oder unsympathisch. Jede Figur war auf ihre Art wirklich liebenswert. Besonders der Unterschied zwischen „normalen Familien“ und der tristen Welt von Yaron und Ella war sehr eindrücklich. Dinge, die wir als selbstverständlich ansehen,  bedeutet für diese Beiden vielleicht sogar die Welt.


Dieses Buch hat eine klare Aussage: Viel zu oft schauen Leute weg, wenn ihnen Elend begegnet oder sind gar nicht dafür sensibilisiert, es zu erkennen.  Außerdem kommen schreckliche Schicksale wie Yarons oftmals nicht ans Licht, da diese nach außen hin gut versteckt werden und Menschen, die es erkennen, sich keineswegs einmischen wollen. In diesem Buch will jeder das Beste für Yaron und dabei kommen auch Ideen auf, die alles andere als helfen. Gerade dadurch kam auch ich ins Grübeln, was ich wohl getan hätte, wenn ich Yaron begegnet wäre.
Das Buch ist toll und einfach geschrieben. Ich habe es sehr schnell gelesen, da es spannend, rührend, traurig und auch auf eine Weise wunderschön ist.  

Dies ist der erste Roman der Autorin Elisabeth Wintermantel und ich hoffe sehr, dass es noch mehrere geben wird.



Fazit: Dieses Buch ist eine klare Leseempfehlung für all die Leute, die der Inhalt auch nur ansatzweise anspricht. Es ist sehr unbekannt und gerade deshalb sollte ihm viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. In einer Buchhandlung hätte ich das Buch nicht in die Hände genommen, da mich das Cover leider überhaupt nicht anspricht. Doch zum Glück soll man das Buch nicht nach seinem Cover beurteilen, denn dieses ist ein kleiner Schatz.

Für mich gibt es jedoch einen Lesekatzenabzug, da ich mir wirklich gewünscht hätte, die Gründe zu erfahren, warum Elvira sich keine Hilfe beim deutschen Staat gesucht hat.


                                    

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...