Sonntag, 6. März 2016

[INTERVIEW] Crawford über Nika S. Daveron




Nika S. Daveron
Mein Name ist Crawford und ich bin ein Sieger. Ich bin nicht irgendein Sieger, nein im Hirn meiner Autorin bin ich der letzte lebende Sieger von Odyssey, der Insel der Odyssey Defence Force, mit dem göttlichen Tribun als alleinigem Herrscher. Leider befand meine Autorin dieses System für zu totalitär, daher hat sie es vollständig zerschlagen lassen. Eine Schande, wenn man mich fragt. Es hat ursprünglich nämlich deutlich besser funktioniert, als das, was sie daraus gemacht hat. Ich traue jedenfalls keinem Rebellen. Ich stamme aus ihrer Dystopie „War Chant“ und bin ihr liebster Antagonist. Täppische Schmeicheleien wie diese wehre ich aber entschieden ab, ich halte nichts von Vertraulichkeiten.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also Crawford dürfen wir dir eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

Nein. Ich traue niemandem, der mir ein Getränk anbietet. Auch Ihnen nicht. Daher muss ich das Angebot bedauerlicherweise ablehnen.

1. Stell uns Nika S. Daveron doch erst einmal kurz vor.
Nika S. Daveron lebt jedenfalls deutlich bequemer als ich, das kann ich Ihnen sagen. Sie hat fließend Wasser, Strom, eine Heizung, und sie lebt nicht im Müll. Sie sitzt ständig auf dem Pferd. Ich finde, das eine Verschwendung von Lebensmitteln. Ich reite ja auch nicht vorher auf meinem Hund, bevor er im Kochtopf landet. Andere Länder, andere Sitten.

2. Was denkst du über Nika, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Sie ist eine lästige Person, die einen nie in Ruhe lassen kann. Immer werkelt sie hier oder da, ist viel beschäftigt mit all den Manuskripten und Charakteren und wenn man einmal denkt, sie gibt Ruhe, bastelt sie schon längst wieder weiter. Sie hat einen Faible dafür, mich leiden zu lassen, obwohl ich
ihr persönlich nichts getan habe. Ein nachtragendes Persönchen, das kein Freund von Happy Ends ist. Ihre vertrackte Art zu Denken gefällt mir allerdings, sie findet die merkwürdigen Winkel der menschlichen Psyche und durchschaut sie. Und sieht auch, was sich darunter befindet: Monster.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Soweit ich das beobachten konnte, verbringt sie sehr viel Zeit mit ihren noch lebenden Nahrungsmitteln. Sie traut sich, Leute zu sich nach Hause einzuladen, obwohl ich sie mehrfach auf die Gefahren hingewiesen habe. Man kann niemandem trauen. Und ich habe immer Recht, meine Menschenkenntnis ist ausgezeichnet. Sie geht einem merkwürdigen Beruf nach, der sich auf nichts mit Odyssey vergleichen lässt. Ich bin kein Freund davon, das ist kein Handwerk für jemanden wie mich. Computer … ich glaube nicht, dass die Menschheit das braucht. Man sieht ja, wohin das geführt hat.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Nein, das würde ich ihr auch nicht raten, denn jemandem nacheifern ist schlecht für die eigene Charakterbildung.
Sie liest viel, allerdings nicht alles von einem Autor, sehr gemischt, würde ich sagen.

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Nika beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Sie hört grässliche Kinderhörspiele, die ich eigentlich gar nicht näher bezeichnen möchte, denn sie sind eine Geißel für die Menschheit. Es ist kein Wunder, dass die Kinder verdummen, wenn sie die Drei ??? hören. Oder Hanni und Nanni. Außerdem raucht sie viel beim Schreiben, was mich persönlich nicht stört, denn ich habe ebenfalls eine Schwäche für guten Tabak. Leider ist es mit ihrem Verstand nicht weit her, denn sie kann nicht sprechen und schreiben gleichzeitig. Jedenfalls nicht sehr zusammenhängend.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Ich bin ihr vermeintlicher Antagonist. Wie lernt man sich da wohl kennen? Indem man sich hasst. Sie benötigte jemanden, den der Leser ungeniert hassen kann, während ihm der Blick für andere Dinge verstellt wurde – durch mich in diesem Fall. Ich könnte schwören, dass sie bei ihrer ständigen Filmguckerei sich einfach die Antagonisten ausgesucht hat, die sie fasziniert haben, sie zerstückelt und dann zu etwas Fertigem zusammengesetzt hat. Das war dann ich.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Wenn Ihr ein Charakter gefällt, ist sie sehr eigen und hartnäckig. Sie zerrt ihn hervor, begutachtet sie von allen Seiten und fragt sich: Was kann ich nun mit dir anstellen? Bist du das Gleichgewicht zum Protagonisten? Oder bist du gar der Protagonist selber? Und was kann ich mit dir machen, dass du so richtig leiden musst?

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Nika so besonders?
Sie liebt ihre Antagonisten. Meist mehr als ihre Protagonisten. Es ist eine Hassliebe, aber sie hat wirklich einen Faible dafür. Ich würde wetten, dass sie Ihnen Titan von Malyx als nächsten Interviewpartner vorgeschlagen hat. Allerdings fürchte ich mich nicht vor Konkurrenz. Ich bin ihr wichtig genug, dass sie mich immer vorziehen würde.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Nika bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Sie ist ein schrecklich vulgärer Mensch, daher erscheint demnächst das Buch „Arschlochpferd – Allein unter Reitern.“
Allerdings ist meine Geschichte auch noch nicht fertig erzählt, wir sehen uns noch mindestens zweimal wieder. Sofern sie endlich mal diese verdammten Rebellen auf dieser einst schönen Insel beseitigt. Sonst garantiere ich für nichts.
Ich hörte, dass sie wohl auch in der Wüste immer noch nicht fertig ist, weswegen dieses Jahr auch noch Hourglass Wars II erscheinen sollte. Sie befindet sich aktuell in Verhandlungen für weitere Bücher, aber über die darf ich nicht sprechen. Ich habe jedoch nicht übel Lust, das trotzdem zu tun, denn sie schaut schon wieder so komisch. Ich kann das nicht leiden.

10. Ein herzliches Dankeschön an Crawford für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin/dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Crawford gesagt wurde.
Hört gar nicht auf den, der Typ hat nicht mal einen Nachnamen. Die Drei ??? sind super cool und ich habe wohl manchmal Happy Ends. Die … ähm … habt ihr nur noch nicht gelesen! Hätte ich vielleicht einen eher guten Charakter schicken sollen? Jetzt ist es zu spät. Der olle Muffkopf hat euch eh schon verdorben. 


Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, sollte einen Blick auf ihre Homepage, ihre Facebookfanseite oder ihren Twitter-Account werfen. Der Roman "War Chant 1 - Sieger" ist im Amrûn Verlag erschienen.

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