Sonntag, 27. März 2016

[INTERVIEW] Proud über Tanya Carpenter



Proud ist einer der beiden McLean-Cousins aus der Serie L.A. Vampires, die im bookshouse-Verlag erschienen ist. Er ist eher der Bad Boy, während sein Cousin Kyle seine Aufgabe als Azrae (Todesengel) sehr ernst nimmt. Proud genießt lieber das Leben, feiert Partys, hat seinen Spaß mit wechselnden Damenbekanntschaften, denen er auch gern ein wenig Blut aussaugt. Die Azrae haben zwar – genau wie ihre Gegenspieler die Grigori (Wächterengel) – diverse Züge der modernen Vampirfiguren, sind aber in Wahrheit genau wie die Cherubim, die Djin und einige andere Wesen Gefallene Engel, die alle zusammen einer großen Prophezeiung entgegensehen, die jeder auf seine eigene Art und Weise lenken will.
Die Begegnung mit Beth Preston, einer Nephilim, verändert für Proud und Kyle alles. Auch mit Proud geht seitdem eine charakterliche Wandlung einher, obwohl er das nur ungern zugibt.

1. Stell Tanya Carpenter doch erst einmal kurz vor.
Sie ist eine ausgesprochen sanfte und liebenswerte Person. Auf den ersten Blick. Aber ich weiß es besser. Tief in ihr drin schlummert auch diese dunkle Seite voller Geheimnisse. Dieser Seite an ihr bin ich verfallen – und sie weiß das auch. Sowohl, dass sie diese besitzt als auch, dass ich eine Schwäche dafür habe. Ich denke, sie liebt diesen Teil ihrer Seele mehr als sie manchmal zugeben will. Das ist auch der Grund für ihre Geschichten. Sie ist der Dunkelheit und uns – den Wesen, die diese Dunkelheit bevölkern – mindestens ebenso verfallen wie wir ihr und könnte nicht ohne diese Würze in ihrem Leben existieren.

2. Was denkst du über Tanya Carpenter, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich finde, sie spielt viel zu oft die Starke, obwohl sie sich innerlich schwach fühlt. Aber immer hat sie tausend Dinge im Kopf, die erledigt werden müssen und denkt an diejenigen, für die sie da sein muss. Das ist auf Dauer nicht gesund. Es täte ihr besser, ab und zu auch mal einzugestehen, dass sie eine Pause braucht. Aber vielleicht will sie einfach elegant vermeiden, dass ich mich als kleine Zerstreuung anbiete. Sie weiß genau, wenn sie sich einmal darauf einlässt, kommt sie nicht mehr von mir los. Aber das wird ihr sowieso nicht gelingen. Ich kann da sehr hartnäckig sein. Geduld zahlt sich aus.
Ob ich was an ihr beneide? Ich weiß nicht, ob man beneiden sollte, dass sie sich an allem, das ihr Interesse weckt, festbeißt wie ein Terrier. Sie könnte das mit dem Beißen gerne mal bei mir probieren, das wäre für ihr Köpfchen sicherlich entspannender, als es ständig mit neuen Daten und Fakten vollzustopfen.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie/er nicht schreibt?
Unter der Woche fährt sie ja noch brav ins Büro und arbeitet ganz klassisch im kaufmännischen Bereich. Aber das ist hier vermutlich nicht gemeint.
Was sie in ihrer Freizeit macht? Sich rumtreiben. Draußen – bei Wind und Wetter. Entweder mit ihrer Stute oder mit ihren beiden Hunden. Die zwei haben ein wachsames Auge auf Tanya und halten mich gern auf Abstand, aber eigentlich sind sie nett. Wir haben sozusagen eine stille Übereinkunft, die darauf abzielt, dass wir alle drei unsere Zähne im Zaum halten. Sie schlagen ihre nicht in wertvolle Teile meines Körpers, solange ich meine nicht in Tanyas Kehle versenke. Und immerhin gehören sie zu der seltenen Gattung, die es schafft, Tanya mal für kurze Zeit auf andere Gedanken zu bringen.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Sie eifert niemandem nach, bewundert aber charakterliche Stärke. Ein gar seltenes menschliches Gut in der heutigen Zeit, umfasst dies doch die Kombination von Respekt, Achtung, Weisheit, Mitgefühl, Verantwortung und einem knappen Dutzend weiterer altmodischer Werte, von denen einer allein viele ja schon überfordert. Da es vermutlich niemand – sie selbst eingeschlossen – je schaffen wird, ihren hohen Idealvorstellungen zu entsprechen (selbst wir Engel tun uns augenscheinlich ja recht schwer damit), dürfte das mit einem echten Vorbild ziemlich schwierig werden. Mir fällt jedenfalls keines ein, nicht mal eine fiktive Romanfigur, die diesen Platz einigermaßen passend ausfüllen könnte. Sie selbst nennt immer wieder ihre Eltern als Vorbilder, aber auch das mag nur in manchen Punkten zutreffen.

5. Gibt es Rituale, die Tanya Carpenter beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Also ich bin ja wirklich jemand, bei dem immer gerne was los sein darf. Sozusagen alles andere als der stille Typ. Aber manchmal geht mir diese Hintergrundmusik bei Tanya schon ziemlich auf den Zeiger. Je nach Romanplot und Szene sind das oft recht heftige Songs oder auch mal völlig überzogen sentimental-melancholisches Zeugs, von dem man Depressionen bekommen kann, wenn man psychisch nicht Hundertprozent stabil ist. Aber ihr hilft das offenbar, sich zu konzentrieren oder ‚ihren Geist auf Reisen zu schicken‘, wie sie immer sagt.
Kaffee ist ein häufig konsumiertes Genussmittel dabei – einfach um möglichst lange wach zu bleiben und bis tief in die Nacht (oder in die frühen Morgenstunden) schreiben zu können. Hin und wieder auch mal ein Glas Rotwein. Wenn sie den Whisky auspackt, ist Achtung geboten. Das kommt selten vor, bedeutet dann aber meist, dass sie irgendeine echt heftige Szene ausklügelt. Meist welche, bei denen wir Protagonisten hernach nichts zu lachen haben.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Auf einer Party bei mir zuhause. Ich hatte sie zwar nicht eingeladen, aber das macht nichts. Ich freu mich immer über weibliche Gäste. Aber Tanya war anders. Sie hat gar nicht erst versucht, meine Aufmerksamkeit zu erregen oder sich mir anzubiedern, wie es die meisten tun, weil sie meinem dunklen Charme sofort verfallen. Tanya saß nur an der Bar und hat mich beobachtet. Mit diesem wissenden Blick. Das hat mich nervös gemacht (und ich werde selten nervös!), aber auch sehr neugierig. Ich musste sie ansprechen und so kamen wir schließlich ins Gespräch und alles nahm seinen Lauf.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Ich weiß, dass sie permanent innerlich auf der Suche ist. Da bleibt es zwangsläufig nicht aus, dass ihr ständig irgendwelche mehr oder weniger schrägen Typen über den Weg laufen. Jede ihrer Geschichten hat eine Figur mit Schicksal oder Geheimnis. Sie hat ein Händchen dafür, diese Leute auf der anderen Ebene, wo wir parallel zur menschlichen Welt existieren, zu finden und deren Geschichten regelrecht in sich aufzusaugen, um sie anschließend über ihre Finger in die Tastatur fließen zu lassen. Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, ist es schon ein magischer Prozess. Vielleicht bewundere ich das an ihr, aber beneiden tue ich es trotzdem noch lange nicht.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Tanya Carpenter so besonders?
Wie ich schon sagte, sie ist der Dunkelheit mehr verfallen, als sie zugibt. Sie liebt in all ihren Romanen die vermeintlich bösen Jungs mit dem guten Kern. Diese Kerle, die nicht eindeutig zuzuordnen sind. Die man einerseits fürchten oder sogar hassen will, die einen andererseits aber auch ständig faszinieren und auch wieder schlicht dahinschmelzen lassen. Sie sagt immer, ich wäre Dracon sehr ähnlich. Habe den Kerl zwar noch nicht kennengelernt, aber von ihren Schilderungen her denke ich, wir könnten echt super Kumpels werden. Der wird übrigens auch bald wieder auf der Bildfläche erscheinen, habe ich gehört, weil Tanyas Ur-Vampir-Serie wieder aufgelegt wird.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Tanya bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Verdammt viel! Und ich frage mich offen gestanden, wie sie das alles schafft und warum sie sich das antut. Es wird nicht weniger, sondern immer mehr, und nebenbei sucht sie auch noch selbst ständig nach neuen Dingen, über die sie schreiben kann. Es ist wie eine Sucht. Sie hat in diesem Jahr wieder einige Kurzgeschichten geschrieben, wie zum Beispiel für die Meerkatzen-Anthologie von Alisha Bionda und die Winterwolf-Anthologie von Elli Radinger. Nicht zu vergessen, diese Kurzkrimis für die interaktiven Dinnerveranstaltungen. Außerdem hat sie unsere Geschichte weitergeschrieben, ist gerade an einem ziemlich heißen Erotik-Thriller und hat allerhand märchenhaftes im Kopf, wobei davon einiges auch nicht ganz jugendfrei ist.

10. Ein herzliches Dankeschön an Proud für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Proud gesagt wurde.
Ich bin NICHT der Dunkelheit verfallen. Ich habe sie verdammt gut im Griff. Und für die nächste Szene über dich, hole ich schon mal die Whiskyflasche raus, mein Freund. 

 Mehr zur Autorin erfährt man auf ihrer Homepage oder auf ihrer Facebookseite. Die "L. A. Vampires"-Reihe erscheint bei Bookshouse.

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