Sonntag, 3. April 2016

[INTERVIEW] Feuersänger über Tina Alba


Tina Alba


Thalan’zhe Hai’re, Theann-enan! Oh. Ich vergaß, ihr sprecht meine Sprache nicht. (der elfenhafte junge Mann in Schwarz mit dem sibrigweißen Haar und der schwarzen Halbmaske vor dem Gesicht, auf dessen Haut sich seltsam verschlungene bläulich schimmernde Zeichen befinden, lächelt entschuldigend). Ich bin Feuersänger, und mein Gruß bedeutet „Sterne über euch, Freunde“. Denn ich hoffe doch, dass ich hier unter Freunden bin. Ich bin Zhalan-Adar, Feuersänger in eurer Sprache, und so lautet mein Name auch in den Büchern, der Feuersänger-Trilogie, von der bereits zwei für alle Welt zugänglich sind. Ich bin ein Nithyara vom Waldflussclan – bitte verwechselt mich nicht mit einem Elfen, auch wenn ich wie sie spitze Ohren habe. Tina und ich kennen uns schon aus einer Zeit, in der sie noch gar nicht daran gedacht hat, Bücher zu schreiben. Aber dazu später mehr.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also Feuersänger, dürfen wir dir eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

Tee, bitte. Mit Honig? (hoffnungsvoller Blick)

1. Stell uns Tina doch erst einmal kurz vor.
Tina sagt von sich, sie sei ein echtes Nordlicht und ein Kind der See. Sie liebt das Meer, den Wind und den Sturm, ein Wetter, bei dem ich mich am liebsten verkriechen möchte. Dieses Wetter inspiriert sie, ebenso wie die ganzen Bücher, die sie liest und die Fantasy-Rollenspiele, die sie mit ihren Freunden spielt. In ihrem Kopf befinden sich so viele verschiedene Welten, dass ich mich frage, wie sie da den Überblick behält. (Anmerkung der Autorin: Gar nicht!).
Tina mag die Natur und Tiere, am liebsten Katzen, kocht gern und verbringt viel zu viel Zeit in den von ihr erdachten Welten. Nicht, dass mich das stören würde, denn würde sie das nicht tun, würde es mich vielleicht gar nicht geben.

2. Was denkst du über Tina, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Es hat Zeiten gegeben, da hätte ich Tina am liebsten ganz langsam erwürgt. Wer meine Geschichte kennt, weiß, dass ich darin ziemlich gebeutelt werde, und es gibt die eine oder andere Sache, die ich ihr wirklich, wirklich übelnehme. Ins Detail gehen werde ich hier nicht, vielleicht will ja noch jemand, der diese Gesprächsaufzeichnungen liest, auch meine Geschichte noch lesen, und ich möchte ihm nicht die Spannung verderben. Wirklich, ich mag Tinas Einfallsreichtum und ihre Ideen, aber es würde mich wirklich freuen, wenn sie ihre kreativen Energien nicht immer darauf verwenden würde, uns Buchfiguren das Leben schwer zu machen.
Was ich spannend finde, ist, dass Tina in der Lage ist, von mir und den anderen Nithyara zu lernen, auch wenn sie es war, die unsere Welt erdacht hat. Wir sind lebendig in ihren Gedanken. Wir beeinflussen ihr Leben, wie sie das unsere – und sie lässt es zu. Das gefällt mir.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Wenn Tina nicht schreibt, vergräbt sie sich in Büchern. Kein Buch ist vor ihr sicher, es wird alles gelesen, was nicht umgehend hinter einem Regal verschwindet oder sich in Rauch auflöst. Hin und wieder zeichnet sie auch, oder sie macht Musik, allein oder mit Freunden, schreibt Lieder. Tina mag Sport, das hat sie mit mir gemeinsam – auch wenn ich es nicht Sport nenne, wenn ich mich darum kümmere, dass mein Körper stark und beweglich bleibt. Oft kommen ihr neue Ideen für Geschichten, wenn sie ihre Runden auf dem Stadtwall dreht.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Tina mag eine Schriftstellerin sehr, die Georgette Heyer heißt. Wenn sie deren Bücher liest, höre ich sie immer wieder lachen und etwas von „brillanten Dialogen“ murmeln, was auch immer das heißen mag. Sehr wichtig in ihrem Schreiberleben sind ihr ihre schreibenden Freunde. In gewisser Weise sind auch sie Vorbilder – aber vor allem Helfer.
Und sonst – Tina bewundert alle Menschen, die nicht mit dem Strom schwimmen, die anders sind, ihren eigenen Kopf haben und ihre Träume verwirklichen.

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Tina beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Ob Tina beim schreiben Musik hört oder nicht, kommt darauf an, wie sie sich gerade fühlt. Manchmal stellt sie sich in mühevoller Kleinarbeit Musikstücke zusammen, die zu einem bestimmten Buch passen, oder sie hört Instrumentalmusik oder Meditationsmusik. Tee ist wichtig, ich verstehe das, es gäbe auch für mich kein Leben ohne Tee. Allerdings trinkt sie ihren ohne Honig, was ich wirklich eklig finde – genauso wie diese staubtrockenen Rotweine, die sie gern ab und zu trinkt. Ist ja ekelhaft. Wein und Tee haben süß zu sein. Was Tina und ich teilen, ist unsere Leidenschaft für geröstete Nüsse. Tina wundert sich immer selbst darüber, wo die Dinger bleiben, wenn sie sich zum Schreiben eine Packung öffnet,. Vielleicht sollte ich ihr doch mal sagen, dass ich heimlich mitnasche. (Einwurf der Autorin: A-HA! Erwischt!)

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Das ist eine lange Geschichte. Ich habe ja schon erwähnt, dass Tina leidenschaftliche Rollenspielerin ist. Vor vielen Jahren, als Tina mit genau der Freundin auf Juist Ferien machte, der sie auch meine Geschichte gewidmet hat, wurde ich während so eines Rollenspiels geboren, zusammen mit meinem Volk, den Nithyara. Zuerst war ich in der Geschichte, die Tina und Bine spannen, nur eine Nebenfigur, aber irgendwie habe ich es geschafft, mich immer weiter in den Vordergrund zu drängeln. Im Jahr 2007 dann kam Tina auf die Idee, all das aufzuschreiben, was ich erlebt habe, bevor meine Geschichte in diesem Rollenspiel begann. Und so wurde ich der, der ich heute bin – Feuersänger, der Schattenjäger. Und so wurden aus einer vagen Idee ein ganzes Volk und eine ganze Welt mit ihren Bewohnern.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Oft enstammen Tinas Figuren Rollenspielen oder sind an Rollenspielfiguren angelehnt – aber nicht immer. Von einigen träumt sie , zu wieder anderen inspirieren sie die Geschichten anderer Leute, oder ein Lied, oder ein Bild. Manchmal beginnt alles mit einem Namen, manchmal mit einem Gesicht. Manchmal mit einer Tat oder einem Wort. Oder der Frage: Wie wäre jemand, der oder die das-und-das erlebt oder getan hat? Wie würde so eine Person sich fühlen, wie würde sie handeln, was würden andere von ihr halten, über sie denken?
Und schon wird aus einer Idee eine Geschichte. Wie eine Knospe, die aufspringt und immer mehr Blütenblätter entfaltet.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Tina so besonders?
Ich bin die Hauptfigur ihres allerersten wirklich vollendeten Romans und ihres allerersten auch tatsächlich veröffentlichten Buches. Ich denke, das genügt, um etwas Besonderes zu sein, nicht wahr? Wir Nithyara begleiten Tina schon lange, und auch wenn sie uns manchmal zum Nachtschatten wünscht, wandern ihre Gedanken doch immer wieder zu uns – Tina kann einfach nicht ohne uns leben. Und darum wird sie auch weiter über uns schreiben. In ihrem virtuellen Tagebuch könnt ihr lesen, wie wir Nithyara überhaupt entstanden sind. Und sie plant, auch über andere Nithyara aus der Feuersänger-Trilogie noch kürzere Geschichten zu schreiben. Tina liebt uns einfach. (Anmerkung der Autorin: Ja, auch wenn ihr alle fürchterliche Nervensägen seid)

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Tina bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Ich vermute, dass noch in diesem Jahr der dritte Teil der Feuersänger-Trilogie erscheinen wird, und wenn nicht, dann Anfang des kommenden Jahres. Im nächsten Jahr wird auf jeden Fall auch ein Buch von Tina erscheinen, das nichts mit Nithyara zu tun hat, aber ihr Lesekatzen werdet es lieben – denn darin geht es um Katzen. Und bis es soweit ist, wird Tina weiterhin brav an der Entstehungsgeschichte meines Volkes schreiben und in ihrem virtuellen Tagebuch jeden Sonntag wieder ein Stückchen der Geschichte um Iloyon Flammenherz und Cianthara Nebelstreif berichten.

10. Ein herzliches Dankeschön an Feuersänger für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Feuersänger gesagt wurde.
Erst einmal möchte ich Feuersänger danken, dass er endlich das Geheimnis der viel zu schnell verschwindenden Nüsse gelüftet hat – ich wusste doch, dass ich die gar nicht immer alle alleine esse. Ich gebe zu, ich habe ihn wirklich sehr gequält, und es hat mir auch leidgetan. Die Szene, auf die wir hier anspielen, hat sogar eine unserer Lektorinnen zum Weinen gebracht, und ich tue mich auch sehr schwer damit, sie nochmals zu lesen.
Und sonst – ich kann Feuersänger nur Recht geben. Ganz gleich, in welche Richtung sich meine Schreiberei auch entwickelt, die Nithyara werden immer einen Platz darin haben. Mit ihnen hat schließlich vor neun Jahren alles angefangen.


Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren möchtet, besucht sie doch einmal auf ihrer Facebookfanseite oder bei Twitter. Oder schaut auf ihrer Homepage vorbei, auf der ihr auch den Onlineroman "Erwählte des Zwielichts" findet, auf den sich Feuersänger bezieht: Die Geschichte von Iloyon und Cianthara.
Der Roman "Schmiedefeuer" ist im Machandel Verlag erschienen.

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