Donnerstag, 14. April 2016

[Rezension] Fremder in einer fremden Welt - Heinlein (by Key)

Fremder in einer fremden Welt, Robert A. Heinlein
Bastei Lübbe, 1996  
Preis: -
TB: 672 Seiten (ungekürzte ältere Fassung)
ISBN:  978-3404242146

Sein Name: Valentine Michael Smith. Seine Vorfahren: Menschen. Seine Heimat: Der Mars. Er ist der einzige Überlebende einer gescheiterten Mars-Expedition. Nach irdischem Recht ist er der Besitzer des roten Planeten und verfügt über das Know-how einer uralten Rasse. Er wird umworben und umschwärmt, Politiker versuchen ihn ebenso für ihre Zwecke einzuspannen wie geschäftstüchtige Sektenführer. Für Valentine ist die Erde eine völlig fremde und unverständliche Welt - aber als er sie zu begreifen beginnt, beschließt er, sie nach seinen Vorstellungen zu verändern. Und damit beginnt sein Opfergang.


Meine Meinung: 
"Sieg in der Niederlage,
und einen größeren gibt es nicht.
"

Er ist nur ein Ei. Und er wird die Welt auch nicht in ihren Grundfesten erschüttern. Er kam weder als Erlöser noch als Aggressor. Michael wollte nicht einmal zur Erde kommen. Er fand es in seinem Nest auf dem Mars ganz schön, zwischen seinen Nestbrüdern, den Marsianern. Doch ist er ein Menschensohn und als solcher zurückgeblieben. Nicht mental sondern real. Einstmals brach die ‚Envoy‘ auf, landete mit ihren selektierten Paaren und sie starben aus. Die Menschen besuchten den Mars und vergaßen ihn wieder. Dann machte sich die ‚Champion‘ auf und fand das Überbleibsel: den Bastard Smith.

Und nicht nur ich habe ein großes Herz für Bastarde. Sondern auch die Krankenschwester, der Reporter und Jubal. Die hinter den wachsamen Augen der Regierung den, gelegentlich in katatonische Zustände verfallenden, außerirdisch Geborenen aus der Anstalt schleusen, denn er hat Menschenrechte. Und dazu gehören ein unanständiges Erbe seiner Eltern nebst Anteilen an Firmen und, ach ja, ehe ich es vergesse, der Mars selbst. Doch um diese Rechte jemandem beizubringen, der die Sprache nicht einmal spricht, braucht es einen tüchtigen Rechtsverdreher.
 
"Das Gute liegt im Lachen."
"Ich groke, daß das Tapferkeit ist… und ein Teilen… daß man damit angeht gegen Schmerz und Kummer und Niederlage." 

Ich möchte mich kurz fassen. Denn würde der Altmeister, einer der ‚großen Drei‘ Science Fiction Autoren noch leben, würde ich ihm sicher einige Takte zu seinem Geschreibsel zu sagen haben. Aber ich groke, er wird es auch so als schwaches Echo wahrnehmen. Groken, was bitte soll das sein? Kann ich euch nicht sagen, ich kann nämlich kein Marsianisch. Und wenn ich es könnte, wäre ich sicher nicht hier und würde diese Rezension schreiben. Viel mehr würde ich mich wahrscheinlich damit beschäftigen mit meinen Nestbrüdern zusammenzuwachsen und das Wasser zu teilen - nackt.

"Wir Menschen müssen noch wesentliche Fortschritte machen,
bis wir verstehen, ein Geschenk anzunehmen und wertzuschätzen
.
"

Wahrscheinlich ist über diesen Roman ohnehin schon alles gesagt worden, was es zu sagen gibt, nebst Studien und Aufsätzen an Universitäten, wenn ich das richtig recherchiert habe. Es gibt einige - zugegeben viele - Augenblicke in denen ich herzhaft lachen musste und aus vollem Herzen, mir meiner eigenen Unzulänglichkeiten bewusst, zustimmen konnte. Wie es sich jedoch gehört nicht in allen Punkten.

Besonders der frühe Michael, der noch naive und absolut devote junge Mann, lassen die Sympathien höher schlagen in jedem Herzen, welches zu Mitgefühl fähig ist. Doch wird auch der Fremde irgendwann erwachsen und dann sind einzig nur noch die Passagen des Jubal höchst unterhaltsam, denn der gewiefte, weitsichtige und vorausschauende Autor - DIENST! - setzt sich gekonnt in Szene. Die zweite Hälfte wird vorrangig bestimmt vom Emanzipationsprozeß, vom Lernen und davon, dass allerhand Leute Michael verfallen. Abschließend streckt sich die Handlung sich noch nach Sektenbildung und Glaubensfragen und gipfelt regelrecht in mehreren philosophischen Ergüssen.

Fazit: 
Generell: Ja. Die Menschheit ist ein Übel, aber vielleicht irgendwann so weit über sich hinaus zu wachsen. Mit Wortschatz oder Mathematik oder Glaube - vielleicht auch mit der Kunst? - ist doch völlig egal. Ich groke das eh nicht in ganzer Fülle. Was ich aber durchaus groke ist die Meisterhand hinter dieser Geschichte. Man darf nicht vergessen, das Werk hat einige Jahre auf dem Buckel, ein paar Maßstäbe haben sich inzwischen verändert. Und damit meine ich nicht nur die Tatsache, dass erschreckend viele Fehler enthalten sind. Nicht die Rechtschreibung, das war damals eh eine andere. Mehr die Tippfehler und vergessene Buchstaben. Das Übliche eben - prangere ich konsequent an bei Büchern heutzutage. Darüber sehe ich in diesem Fall auch nicht hinweg und ziehe eine Katze ab.

Glücklicherweise, denn so erspart es mir die Frage wie ich aus unserer 5er Kasten-Wertung eine 5 1/2 oder 6er machen sollte.
Dieses Buch hat natürlich so rein gar nichts mit: "Der Marsianer" zu tun. Oder doch, grokt Mark Watney? Dieses Buch bietet unglaublich viel und wer einmal drin ist, sieht kurzweilig mit anderen Augen und denkt sich: "Es könnte so einfach sein, isses aber nicht." (Fanta4 & Grönemeyer)

Mein Urteil für den Wasserbruder:

Danke an meine Freundin, die mir dieses Werk ans Herz legte.

Hinweis:

Fremder in einer fremden Welt, Robert A. Heinlein
Heyne, 2009

Preis: 10,95€
TB: 656 Seiten (aktuelle Fassung)
ISBN:  978-3453525481

Die erste Mars-Expedition ist auf dem roten Planeten abgestürzt, und erst zwanzig Jahre später erreichen erstmals wieder Menschen den Nachbarplaneten. Sie finden Michael Valentine Smith, einen jungen Mann, der als Kind die Katastrophe überlebt hat und von Marsianern erzogen wurde, und nehmen ihn mit zur Erde. Die Heimatwelt seiner Eltern ist für ihn eine fremde, unverständliche Welt, und er verwendet seine mentalen Kräfte dazu, sie zu verändern. Damit wird er für die einen zum Messias, und für die anderen zu einem Feind, den man mit allen Mitteln bekämpfen muss ...

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