Dienstag, 26. Juli 2016

[REZENSION] The Serpent King von Jeff Zentner (Nika)

The Serpent King - Jeff Zentner

Crown Publishing, 2016
Hardcover, 384 Seiten
ISBN: 978-0553524024
14,86 €

Klappentext: 
Dill has had to wrestle with vipers his whole life—at home, as the only son of a Pentecostal minister who urges him to handle poisonous rattlesnakes, and at school, where he faces down bullies who target him for his father’s extreme faith and very public fall from grace.

The only antidote to all this venom is his friendship with fellow outcasts Travis and Lydia. But as they are starting their senior year, Dill feels the coils of his future tightening around him. The end of high school will lead to new beginnings for Lydia, whose edgy fashion blog is her ticket out of their rural Tennessee town. And Travis is happy wherever he is thanks to his obsession with the epic book series Bloodfall and the fangirl who may be turning his harsh reality into real-life fantasy. Dill’s only escapes are his music and his secret feelings for Lydia—neither of which he is brave enough to share. Graduation feels more like an ending to Dill than a beginning. But even before then, he must cope with another ending—one that will rock his life to the core.

Debut novelist Jeff Zentner provides an unblinking and at times comic view of the hard realities of growing up in the Bible Belt, and an intimate look at the struggles to find one’s true self in the wreckage of the past.






Meine Meinung:



Direkt vorneweg: The Serpent King ist kein Buch, das man mal eben zwischendurch lesen und dann weglegen und vergessen kann. Ich habe das Buch Ende März gelesen und es schwirrt mir immer noch im Kopf herum. The Serpent King ist eines dieser Bücher, die einen nicht so schnell loslassen.

Dill, Travis und Lydia leben im amerikanischen Bible Belt – der auf uns komplett Außenstehende noch schlimmer wirken muss, als auf US-Einwohner. Die drei Freunde sind jeder für sich bereits ein Außenseiter in ihrer Stadt: Dill ist der Sohn eines Predigers, der wegen Kinderpornographie im Gefängnis sitzt. Nicht nur ehemalige Mitglieder dieser Kirche, sogar seine eigene Mutter machen ihm zum Vorwurf, dass er die Schuld vor Gericht nicht auf sich genommen hat. Travis liebt nichts so sehr wie seine Fantasybücher (eine Reihe ähnlich dem Lied von Eis und Feuer) und ist kaum ohne seinen eigenen Zauberstab zu sehen. Gegen seinen brutalen Vater hilft dieser ihm leider nicht. Und Lydia … Lydia wäre in jeder amerikanischen Großstadt DAS It-Girl schlechthin, immerhin führt sie einen Modeblog, den selbst die großen Modezeitschriften zitieren. In ihrer Heimatstadt wird sie dafür jedoch nur schief angesehen. Wenigstens hat sie Eltern, die hinter ihr (und ihren Freunden) stehen und sie hat die Möglichkeit, nach Abschluss der Highschool die Stadt für immer zu verlassen und weit weg davon aufs College zu gehen.

Eine Zukunft, die Dill und Travis nicht haben: Travis soll seinem Vater ins Arbeitsleben folgen, Dills Mutter wäre es sogar am liebsten, wenn er das letzte Jahr der Highschool abbricht und Geld verdient. Immerhin hat die Familie nach der Verurteilung seines Vaters Schulden zu bezahlen und das College – so erklärt ihm sein Vater bei einem Gefängnisbesuch – würde ihm nur beibringen, nicht mehr an Gott zu glauben.

Es fiel mir zuweilen schwer, zu begreifen, mit welchen Ansichten sich gerade Dill und Travis auseinandersetzen musste. The Serpent King ist kein Buch für schwache Nerven und mir hat mehr als einmal ein riesiger Kloß im Hals gesteckt. Wenn man lesen muss, wie Dills Mutter ihm sagt, dass sie ihren Mann für unschuldig hält und glaubt, die Kinderpornographie auf dem Computer müsse Dill gehört haben, weil sein Vater „auserwählt“ war oder wie Travis‘ Mutter seinem Vater versichert, dass ihr Sohn nicht schwul sein kann, weil er „ein guter Christ ist“ (Travis ist nicht schwul), während dieser ihn schlägt, ließen mich gerade Dill innerlich immer wieder anschreien, er solle zusehen, wie er da herauskommt, auf Lydia hören und mit ihr aufs College gehen.

The Serpent King ist aber nicht ausschließlich düster. Die Freundschaft zwischen diesen drei unterschiedlichen Außenseitern wird von Jeff Zentner so wunderschön beschrieben. Das nächtliche Beobachten der Züge auf ihrem Weg aus der Stadt hinaus, ein Shoppingtrip vor Schulbeginn, bei dem Lydia Dill neu einkleidet oder als sie es schafft, Travis ein Treffen mit seinem großen Idol zu verschaffen, die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen Lydia und Dill und Travis und seiner Chatpartnerin … diese Momente zauberten mir ein Lächeln aufs Gesicht.

Ich hätte mir The Serpent King nie selbst gekauft und habe es nur gelesen, weil es in meiner aller ersten Owlcrate enthalten war und ich nicht bei meiner ersten Buchbox das Buch unbeachtet zur Seite legen wollte. Ich habe vom Klappentext her erwartet, dass es keine leichte Lektüre sein würde und ich hatte Recht. Ich habe nicht erwartet, dass mich das Buch so fesselt, so mitnimmt, noch Monate danach so beschäftigt.

Es ist kein leichtes Buch, es hat schwere, düstere Momente, Kloß-im-Hals- und Taschentuch-Momente aber auch wunderschöne Augenblicke mit leisen zwischenmenschlichen Tönen. Es ist ein Buch über Träume und Albträume, über drei unterschiedliche Freunde, über unterdrückte Kreativität (Dill ist Musiker, Travis liebt Bücher, Lydia Mode und das Schreiben) über das Herausbrechen aus dem Status Quo, den so viele Erwachsene in diesem Buch mit aller Macht verteidigen wollen. 






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