Sonntag, 21. August 2016

[INTERVIEW] Jacques Demeraux über Gabriele Ketterl



 Jacques Demeraux ist ein  sogenanntes Halbblut. Sohn einer französischen Mutter und eines indianischen Vaters. Seine Mutter starb er vor kurzer Zeit, ermordet von weißen Soldaten, direkt vor Jacques Augen. Er gibt sich die Schuld an ihrem Tod, da er glaubt, die Soldaten zum Winterlager der Lakota geführt zu haben. Jacques zieht sich von seinen Leuten, die sich bereits von den Ebenen bis weit an die Berge geflüchtet haben, zurück und verkriecht sich in der Wildnis. 

Als er die schwer verwundete Louisa findet, weiß er, dass dies ein Fingerzeig des Schicksals ist und er hier die Möglichkeit erhält, mit ihrer Rettung aus dem Teufelskreis an Selbstzweifel und Hass auszubrechen.
Er übernimmt gerne die Rolle des Vermittlers zwischen der Erzählerin seiner Geschichte und dem Fragenden, denn er weiß, dass sie ihm ebenso vertraut wie er ihr vertraut und daher sicher ist, dass seine Geschichte wahrheitsgetreu und ehrlich erzählt wird.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also Jacques , dürfen wir dir eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

1. Stell uns Gabriele Ketterl  doch erst einmal kurz vor.
Meine Schöpferin ist Autorin mit Leidenschaft. Sie lebt derzeit, soweit ich richtig informiert bin, im Outback von München mit ihrem Mann und zwei großen Söhnen. Irgendwann hat sie einmal in München Theaterwissenschaften studiert, großes Drama ist ihr daher sicher nicht fremd. Sie ist ein sehr toleranter Mensch, es sei denn sie findet heraus, das man sie belügt. Das ist ein sehr großer Faux Pas für sie. Gabriele ist jemand der stets von Fernweh geplagt wird, ich denke am liebsten wäre sie konstant unterwegs und würde sehr gerne irgendwo am Meer leben.

2. Was denkst du über Gabriele  wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Wir mochten uns spontan sehr. Ich habe gespürt, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Sie hat mich und meine Ängste verstanden und ist sehr behutsam damit umgegangen. Sie hat ein unglaubliches Einfühlungsvermögen, das mich besonders im Bezug auf mein Volk, die Lakota, doch sehr überrascht hat. Ich hätte nicht erwartet, soviel Verständnis für mich und meine Leute bei einer Weißen, einer Wasicu zu finden. Ich beneide sie um die Offenheit, mit der sie den Menschen gegenüber tritt, ich habe da so meine Probleme. Aber sie scheint es fühlen zu können, wenn ein Mensch Vertrauen verdient.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Sie muss viel Sport treiben. Da bei ihr eine schwere Artrose im Knie und eine im Lendenwirbelbereich versteifte Wirbelsäule festgestellt wurde. Nun trainiert sie zwei Mal die Woche sehr tapfer, um zu verhindern, dass es sich ausweitet. Sie ist ein sehr aktiver Mensch, der gerne in der Natur ist. Sich nicht mehr bewegen zu können, wäre für sie absolut undenkbar. Abgesehen davon liest sie viel, viele Bücher von Freundinnen oder alte Werke, wie Jane Austen. Wann immer sie es schafft, trifft sie sich mit Freunden. Freunde sind ihr sehr wichtig. Oder sie bereitet Leseevents vor, auf denen sie uns und unsere Geschichten den Lesern vorstellen wird.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Vorbild? Das ist schwer zu sagen. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass sie sich an großen Persönlichkeiten aus der Vergangenheit orientiert. Das mag ein wenig seltsam klingen, aber sie hat mir einmal anvertraut, dass sie viel dafür geben würde, einen Tag mit dem berühmten Nez Percé Chief Joseph zu verbringen und mit ihm zu reden. Von den Menschen der Neuzeit hält sie vorbildtechnisch wohl eher nicht so viel. Also einmal ganz im Ernst, ich kann sie da aber auch verstehen.
 

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Gabriele  beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Während sie die Highland Dilogie geschrieben hat, lief im Hintergrund sehr oft, ganz leise, die Musik von Soar Patrol. Bei den Venetian Vampires hörte ich ab und an klassische Musik, z.B. Verdi oder Puccini. Was immer in Mengen da ist, ist Tee. Literweise Tee, ob schwarzer oder Kräutertee, da gibt es bei ihr keine Grenzen. Sie mixt das auch gerne einmal selbst. Sie hat da so eine Lieblingsmischung, die bei ihr „Amor Espanol“ heißt, sie behauptet allen Ernstes, es mache Frauen besonders glücklich. Aber sie rückt das Rezept nicht raus.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Als sie mich auf einem meiner Ausritte aufspürte. Ich fühlte ihre Gegenwart und sie fragte mich, ob sie meine Geschichte aufschreiben dürfe. Ich habe sie gefragt warum ausgerechnet ich. Sie lachte und meinte, sie würde nun einmal sehr gerne über schöne Männer schreiben und ganz besonders, wenn ihre Geschichten noch so spannend und berührend seien wie die meine. Hallo! Im Ernst, welcher Mann freut sich da nicht?

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Ich weiß, dass sie den wichtigsten Protagonisten der Venetian Vampires in Italien getroffen hat und schon wenige Stunden später begann, seine Geschichte aufzuschreiben. Sie spürt es, wenn jemand in der Nähe ist, dessen Leben besonders ist oder der ein ganz besonderes Wesen ist. Sie hat mir erzählt, dass ihr Steward, der dunkle, melancholische Highlander in einer stürmischen Nacht in England begegnet ist. Sie hat da wohl ein besonderes Händchen.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Gabriele so besonders?
Der Umstand, dass ich einer aus dem Volk bin, das sie schon von Kindesbeinen an fasziniert und dem sie sehr zugetan ist. Ihr nennt uns Indianer, das aber nur weil euer komischer Weltenumsegler Kolumbus zu dusslig war, zu navigieren, sich total verfranste und dachte er sei in Indien gelandet. Wir bitten darum Native Americans genannt zu werden oder einfach nur Natives. Meine Geschichte und die meines Volkes erzählen zu können, hat sie sehr glücklich gemacht. Wir haben gut gewählt, was wir euch erzählen und was nicht. Dass dann auch noch diese verrückte Weiße in mein Leben purzelt, macht alles noch viel komplizierter … und wunderbarer .. ist nicht leicht zu beschreiben. Aber vor allem sprichst du mit mir, weil sie uns und unser Volk seit über zweihundertfünfzig Jahren kennt. Hinterfrag das jetzt am Besten nicht weiter, okay.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Gabriele bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Sie korrigiert gerade ein sehr humorvolles und doch spannendes Manuskript. Dazu musst du wissen, dass sie vor einem Jahr einmal wieder in Schottland war und sie das Land sehr liebt. All die verrückten Ereignisse und Erlebnisse hat sie in eine richtig tolle Story verpackt. „Highlands mit Hindernissen“ wird zur Buchmesse Leipzig 2017 erscheinen. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, dann wird das ganze Buch eine einzige, wunderschöne und sehr amüsante Liebeserklärung an Schottland, seine endlosen Weiten und seine besonderen Menschen.

10. Ein herzliches Dankeschön an Jacques Demeraux für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Jacques gesagt wurde.
So sehr ich auch überlege, aber Jacques lag in allem was er sagte richtig. Wir verstehen einander blind, was daran liegen mag, dass wir nicht reden müssen, um uns zu verstehen. Zusammen zu schweigen, kann sehr viel über den anderen Menschen aussagen. Zusammen zu schweigen muss man können.
So geht es mir mit allen meinen Charakteren, bei Jacques war es allerdings noch einmal ganz etwas Besonderes. Es war als würden wir uns seit Jahrhunderten kennen.
Raffaele, das Oberhaupt des Clans der Venezianer ist auch so eine Persönlichkeit. Bei ihm weiß ich ohne viele Worte, was er mir sagen will. Vieles davon wird den Menschen, oder zumindest einigen der herrschenden Kasten, nicht gefallen. Aber das muss es auch nicht. Es muss mir und vor allem euch gefallen, nicht wahr?

Der Roman "Gefangene der Wildnis" ist im Amrûn Verlag erschienen. Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, sollte sie einmal auf ihrer Facebookseite, auf Youtube, Twitter oder Google+ besuchen.


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