Sonntag, 4. September 2016

[INTERVIEW] Cormac Flynn (... oder doch nicht Cormac?) über Dennis Frey


Dennis Frey

Heute darf Cormac Flynn ein wenig über seinen Autor plaudern. Cormac ist der Mittelpunkt der Geschehnisse in Dennis Freys Debutroman „Fremdes Leben“, in dem er von einem mysteriösen Fremden namens Mephisto die Chance bekommt, sein Leben noch einmal zu leben. Cormac und Dennis verbindet eine lange Zeit des Schreibens und des leicht panischen Überarbeitens und er findet es ist allerhöchste Zeit, dass ihn mal jemand nach seiner Meinung fragt, statt ihn wie einen Ball zwischen Geschehnissen springen zu lassen, auf die er keinen Einfluss hat.

Vor dir steht ein Mann mit einem langen, staubigen Mantel und einem breitkrempigen Hut, den er so tief ins Gesicht gezogen hat, dass nur die untere Hälfte seines Gesichts zu sehen ist. Er grinst breit, so dass sich Grübchen auf den unrasierten Wangen zeigen.
„Planänderung“, sagt er mit rauer Stimme. „Cormac ist... Krank? Nein. Im Ungleichgewicht trifft es wohl besser. Auf jeden Fall ist es an mir hier einzuspringen. Wozu hat man denn Freunde.“ Beim letzten Wort kündigt sich ein manisches Kichern an, das kurz darauf aus ihm herausbricht.

0.5 Und wer bist du?
Der Fremde tippt sich mit zwei Fingern grüßend an die Hutkrempe und verbeugt sich etwas spöttisch.
„Unser Freund Cormac nennt mich Mephisto, aber ich habe viele Namen. Oder gar keinen, je nachdem aus welcher Perspektive man es sieht. Ich bin einer der Fremden. Wir sind kein Teil eurer großen Aufführung, aber wir lieben es uns hinter der Bühne zu verstecken und den Menschen den falschen Text zuzuflüstern. Nicht bei dir natürlich. Dir würde ich zu gerne mit meiner beträchtlichen Macht helfen. Wenn du etwas brauchst, können wir vielleicht eine Übereinkunft treffen, die uns beiden weiterhilft.“
Er grinst erneut, doch diesmal liegt etwas Lauerndes darin.

1. Heute nicht, danke. Stell uns Dennis doch erst einmal kurz vor.
Mephisto scheint nur ein klein wenig enttäuscht und versteckt seine wahren Gefühle sofort wieder hinter seinem Hut und dem übertriebenen, maskenhaften Lächeln.
„Er hat das große Glück kein neues Leben zu brauchen. Ich habe es ihm mehr als einmal angeboten. Dennis lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen gar nicht weit von Cormac, in West Cork, an der Irischen Küste. Jetzt wo ich darüber nachdenke, lebt er vielleicht doch viele Leben, auch ohne auf meine Angebote einzugehen. Vor 6 Jahren ist er nach Irland gezogen, die letzten zwei Jahre war er Chocolatier, jetzt beginnt ein völlig neues Abenteuer. Nur das Schreiben, das hat ihn immer begleitet.“

2. Was denkst du über Dennis, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
„Wir waren für eine Weile nicht sonderlich gut aufeinander zu sprechen, das gebe ich zu. Irgendwann haben wir uns aber zusammengerauft und meine – Entschuldigung – Cormacs Geschichte zu Papier gebracht.“
Mephistos wedelt mit der Hand.
„Eigentlich ist Dennis nicht die Art von Mensch die ich gerne um mich habe. Zu wenig Drama, zu wenig tödliche Gefahr... Aber wenigstens gibt er sich Mühe sein Leben auch ohne die Hilfe von mir und den meinen magisch und abenteuerlich zu gestalten.
Ich wünschte nur er würde aufhören Leute vor uns zu warnen. Wo kommen wir denn da hin, wenn niemand mehr unsere Dienste in Anspruch nimmt? Eine Welt in der einfach nur jeder bekommt, was Schicksal für ihn vorgesehen hat...“ Ein bühnenreifes Schaudern durchläuft seinen Körper. „... Das möchte ich mir gar nicht vorstellen.“

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
„Jetzt werden erst einmal ein paar Bücher ins Land gehen in denen Dennis und ich Ruhe voreinander haben. Aber ja, natürlich weiß ich viel über ihn. Wahrscheinlich mehr als er denkt. Er ist ein Familienmensch. Die erste Priorität, selbst über dem Schreiben, liegt bei seinen Kindern und seiner Frau. Dafür kann ich ihm nicht einmal böse sein, auch wenn ich mich zeitweise ein bisschen vernachlässigt gefühlt habe.
Er und Cormac teilen die Leidenschaft für Kendo – Japanischen Schwertkampf – die für Dennis allerdings längst nicht so lebenswichtig ist wie für Cormac. Ich glaube aber, dass Dennis den Traum von der Irischen Nationalmannschaft noch nicht ganz aufgegeben hat. Vielleicht braucht er nur etwas mehr Zeit zum trainieren. Vielleicht sollte ich ihn da ein bisschen antreiben. Oder ich könnte dafür sorgen, dass genug Leute ausfallen und er – Naja, aber was sollte er mir dafür schon anbieten können?“
Mephisto kichert und reibt sich nachdenklich das stoppelige Kinn.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
„Ich weiß, dass er ganz aufgeregt wird, wenn es um Patrick Rothfuss geht. Ist mir manchmal direkt peinlich. Ich glaube nicht, dass er jemals so gespannt auf ein Buch gewartet hat, wie auf den letzten Teil der Kingkiller-Reihe. Nicht mal auf sein eigenes, was mich wahrscheinlich irgendwie verletzen sollte. Aber was soll's, ich habe wirklich dringendere Probleme. Findest du, dass ich in dem Mantel fett aussehe?“
Er streicht das schwere, schmutzverkrustete Leder des Mantels glatt, als wäre es ein Abendkleid und dreht sich einmal um sich selbst.

5. Ich... Nein. Sieht toll aus. Gibt es Rituale, die Dennis beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
„Rituale? Ich hatte ja Blutopfer vorgeschlagen, aber das wollte Dennis nicht. Er redet sich gern ein, dass er zum Schreiben absolute Stille braucht, aber das ist nur ein Weg, sich von der Arbeit abzuhalten. Stille wird nämlich mit jedem Kind das man bekommt seltener – habe ich gehört. Am besten schreibt er entweder sehr früh morgens, noch vor Sonnenaufgang, oder direkt nach dem Frühstück. Auch etwas, was er ohne Kinder wahrscheinlich nie herausgefunden hätte. Zum Überarbeiten seiner Texte gibt es dann Musik über Kopfhörer, laut genug um eventuelle Ideen zu übertönen, die ihn zu neuen Abenteuern verführen wollen. Die Art der Musik wechselt aber von Projekt zu Projekt. Und ich denke immer noch, dass Blutopfer zu besseren Ergebnissen führen würden. Ich habe sogar eine Liste mit verfügbaren Jungfrauen zusammengestellt, aber nein, meine Mühen werden natürlich wieder einmal nicht gewürdigt.“

6. Wie hast du ihn kennengelernt?
„Die Basis haben wir schon in Dennis’ Jugend gesetzt, obwohl er da noch nicht einmal meinen Namen kannte. Aber der Gedanke, in der Zeit zurückzugehen und sein Leben noch einmal zu leben, kam ihm wie eine prima Sache vor. Hätte er die Geschichte damals schon aufgeschrieben, hätte sie sehr anders ausgesehen. Zum Glück hat er sich die Zeit gelassen zu erkennen, wie viele Probleme mit so einem Abenteuer einhergehen. Mittlerweile ist das eins der schlimmsten Horrorszenarien für ihn. Sein Leben ist genau so, wie er sich das wünscht. Jede Änderung in der Vergangenheit, würde alles verändern. Das ist die Lektion, die Cormac für ihn auf die harte Tour lernen musste.“

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
„Meistens hat er eine vage Grundidee und schreibt er einfach drauf los, um zu sehen was unterwegs passiert. Das ist etwas, das ihm beim Schreiben von Kurzgeschichten gute Dienste geleistet hat. Die nächste anstehende Veröffentlichung ist zum Beispiel aus einer ganz simplen Idee entstanden. Sie wird im Pro- und Epilog erkundet und dazu kam der Entschluss über die Magier in meiner Welt zu schreiben. Alles weitere, einschließlich aller Personen und des üblen Antagonisten, entstand beim Schreiben. Du siehst also, ich bin eindeutig etwas Besonderes.“

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Dennis so besonders?
„Naja, eigentlich solltest du ja mit dem armen Cormac reden, der nach dem Ende unserer Geschichte leider etwas unpässlich ist. Aber ich denke das liegt eher daran, dass Dennis Angst hatte ich könnte etwas Ungebührliches sagen, oder vielleicht jemanden zu einem Vertrag überreden. Ich bin trotzdem der, der ihm am nächsten steht. Ganz sicher. Einmal bin ich natürlich der Erste der veröffentlicht wurde. Ich glaube aber auch, dass Dennis und ich eine so tiefe Verbindung haben, weil die Idee zu mir so lange – und in einer sehr ereignisreichen Zeit – in ihm war. Er hat sich in dieser Zeit sehr verändert und ich mich mit ihm. Das schweißt schon ziemlich zusammen. In „Fremdes Leben“ finden sich einige Dinge, die Dennis erst gelernt hat, nachdem er schon mit dem Schreiben der Geschichte begonnen hatte.“

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Dennis bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
„Florence und Ivan dürfen als nächstes für ihn durch Reifen springen. Ihr Cover ist grade fertig geworden und jetzt fehlt nur noch ein bisschen Werbung vor der Veröffentlichung. Sie geben den Start zu einer Novellenserie, die die Geschichte der Magier unserer Realität erkundet. Ich darf das aussitzen, habe es mir aber nicht nehmen lassen einen kleinen Gastaftritt einzulegen, falls sich jemand dafür interessiert, womit ich mir nach Fremdes Leben die Zeit vertreibe.“

10. Ein herzliches Dankeschön an Mephisto für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Mephisto gesagt wurde.
Dennis wirft Mephisto einen bösen Blick zu, den der Fremde mit einem strahlenden Lächeln quittiert.
„Eines nur. Mephisto mag auf den ersten Blick nicht bedrohlich wirken, genau wie viele der anderen Fremden, aber das ist alles andere als wahr. Wenn euch jemand anbietet bei einem komplizierten Problem zu helfen, achtet auf die Augen – sie verraten sie. Mag der Fremde auch noch so menschlich aussehen, seine Augen sind es nicht. Und wenn ihr ihn erkannt habt, nehmt kein Angebot von ihm an, ja, lasst euch nicht mal von ihm über die Straße helfen, denn die Fremden wollen für alles eine Gegenleistung und alles was sie tun führt euch weiter von eurem eigentlichen Schicksal weg.“
Mephisto schnaubt.
„Spielverderber.“



Der Roman "Fremdes Leben" ist im Papierverziehrer Verlag erschienen. Wer mehr über den Autor erfahren möchte, kann ihn auf seiner Homepage oder seiner Facebookfanseite besuchen.

 

1 Kommentar:

  1. Ach ja, der Mephisto. Ich gestehe, ich habe den ja etwas lieb gewonnen, auch wenn man ihm nicht trauen sollte.
    Bin schon neugierig auf das nächste Buch.

    Lieben Gruß
    Isbel

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