Sonntag, 11. September 2016

[INTERVIEW] Roman Anderson über Lothar Nietsch



Lothar Nietsch
Roman Anderson ist der Prota und Ich-Erzähler des Vampirromans „Blut der Wiederkehr“. In einem südnorwegischen Landsitz will er den angeblichen Selbstmord seines Bruders aufklären und dabei stößt er auf das Geheimnis einer uralten Vampirdynastie, die gerade die Wiederkunft ihres Meistes und ihres Gottes vorbereitet. Eigentlich hätte er gerne seine Ruhe, aber nachdem ihm LN in seiner Story so übel mitgespielt hat, kann er nicht an sich halten und nutzt diese Gelegenheit sehr gerne.

 1. Stell uns Lothar Nietsch doch erst einmal kurz vor.
Nun, LN ist ein 50jähriger Freigeist, der weder sich noch andere Menschen besonders wichtig nimmt und der das Leben liebt. Er geht davon aus, dass danach nichts mehr kommt, weswegen es für ihn besonders wertvoll ist und er begreift Leute nicht, die das Leben verneinen und den Tod bejahen (trifft meist auf angeblich religiöse Menschen zu). Leben ist ein Wunder und LN ist der Meinung, dass man sich daran erfreuen sollte – trotz der schlechten Dinge, die geschehen können (auch ohne dass der Mensch dabei noch interveniert).

2. Was denkst du über Lothar Nietsch, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ach, im Grunde ist LN ein Idiot, ein liebenswerter zwar, aber dennoch ein Idiot. Er hat viel zu viele Interessen, weswegen er sehr viel Wissen ansammelt, was ihn aber zugleich wieder einen Haufen Kraft kostet. Darüber hinaus erwartet er von den Leuten, dass sie denken, bevor sie reden oder gar handeln, dabei weiß doch jedes Kind, dass so etwas reines Wunschdenken ist. Das Verhalten der Menschen gegenüber ihres Umfelds macht ihn bisweilen fertig – er muss halt erst noch lernen das alles zu ignorieren.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Er verdient sein Geld als selbst. Installateur und als Fitnesstrainer, was für sich schon genügend Zeit kostet. Als wenn das nicht reichte, findet man ihn häufig auf ausgedehnten Bergtouren, mind. dreimal wöchentlich im Fitnesscenter, er fährt gerne und lange Fahrrad, malträtiert seinen Sandsack, verschlingt neuste Erkenntnisse in Sachen Körperfunktionen, Krankheiten, Ernährung, darüber hinaus interessiert er sich für die kausalen Zusammenhänge in der menschl. Geschichte, des Kosmos` und seiner weiteren Entwicklung, sowie den ganzen Rest.

4. Hat sie/er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Nein. Es gibt und gab Menschen, deren Werdegang und deren Schaffen er durchaus bewundert, aber da er überzeugt davon ist, dass jeder Mensch einzigartig ist, nützt es nichts, jemand anderen nachzueifern, man sollte seinen eigenen Weg finden und vor allem: Voll und ganz hinter den eigenen Entscheidungen zu stehen. In diesem Zusammenhang zitiert er gerne eine Songtextstelle von Ludwig Hirsch: „Also bin ich den Berg auffigestiegen und als ich hinunterblickte, stellte ich fest, es ist doch nur meine Meinung ist, die zählt.“

5. Gibt es Rituale, die LN beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Das alles handhabt er sehr unterschiedlich. Er hört häufig Rockmusik beim Schreiben, was aber nicht zwingend ist. Er mag schlechtes Wetter, da er dann beim Schreiben nicht das Gefühl hat, draußen etwas zu verpassen, aber er kann auch bei Sonnenschein an seinen Texten arbeiten. Er probiert gerne neue Wege aus, zugleich mag er die ausgetretenen Pfade – was sich komisch anhört, aber keineswegs ein Wiederspruch ist.

6. Wie hast du ihn kennengelernt?
Na ja, er hat mich erfunden und ich weiß nicht, ob ich darüber glücklich sein kann. Im Grunde bin ich ja schon lange tot, da er mich in der Geschichte, die ich angeblich 2014 niederschrieb, mit unheilbarem Krebs gesegnet hat. Denke ich darüber nach, stelle ich fest, dass dies nicht sehr nett von ihm ist und ich frage mich, was wäre, wenn wir uns nicht kennen gelernt hätten.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Schwer zu sagen, da er mit mir über so etwas nicht spricht. Soweit ich es aus der Ferne beurteilen kann (bin ja nur fiktiv und darüber hinaus auch schon tot) verhält sich das bei jeder seiner Geschichten vollkommen anders, ist jede Geschichte ein eigenes Universum mit seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten und sogar mit seiner eigenen Sprache. 

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für LN so besonders?
Vermutlich, weil ich mich gedanklich nicht zu sehr verfranzen lasse. Ich bin sehr viel einfacher gestrickt und nachdem ich meine Pflicht (die ja nur aus einer Aufgabe bestand – nämlich die Ursache für den Tod meines Bruders herauszufinden) erfüllt hatte, durfte ich ja dann auch abtreten.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für LN bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Oh – da gibt es ja schon Einiges, nur erkennen die Verlage offenbar noch nicht das Potential, das in den Texten steckt. Ich bin mir aber sicher, dass dies noch passieren wird. Derweil wartet er in Bezug von vier Romanen aus seiner Feder auf eine Antwort von verschiedenen Verlagen. 

10. Ein herzliches Dankeschön an Roman Anderson für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von RA gesagt wurde.
Ach Roman ist ja nur sauer, weil die Geschichte, in der er als Haupt-Prota fungiert, viel kürzer ist, als meine anderen Werke, weswegen er unter einer besonderen fiktiven Form von Minderwertigkeitskomplexen leidet (da nützt es auch nichts, wenn er eigentlich schon gestorben ist).


Der Roman "Blut der Wiederkehr" ist im Arunya-Verlag erschienen. Wer mehr über den Autor erfahren möchte, kann ihn auf Facebook oder Twitter besuchen.

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