Sonntag, 2. Oktober 2016

[INTERVIEW] Dr. John Watson über Sophie Oliver



Sophie Oliver

Mein Name ist Watson. Doktor John Watson. Die geschätzten Leser kennen mich wahrscheinlich als langjährigen Weggefährten und Chronisten des unerreichten Meisterdetektivs Sherlock Holmes. Mein Kollege ist derzeit so intensiv mit unserem neuesten Fall beschäftigt, dass er ganz und gar unabkömmlich ist. Ich hoffe, in Kürze über unseren Erfolg berichten zu dürfen.
Allerdings freut es mich besonders, hier einmal ohne Holmes´ Einmischung zu Wort zu kommen. Ich stehe sehr gerne für dieses Gespräch zur Verfügung. Zumal wir ja über Sophie Oliver reden wollen, die unseren Fall „Sherlock Holmes und das Geheimnis der Narrenkappe“ zu Papier brachte und mir dabei die Feder aus der Hand nahm. In dieser Geschichte sollen wir einen kleinwüchsigen Gentleman vor seiner Ermordung bewahren. Hätte mir beinahe eine Erkältung geholt, auf seinem zugigen Landsitz.


Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum. Die einsame Arbeitsleuchte auf dem glatten Tisch strahlt direkt in sein Gesicht.

Grundgütiger! Ist das die neumodische Art, ein Interview zu führen? Ich dachte, wir plaudern ein wenig. Gibt es keinen Tee? Blickt sich um. Nein?

1. Was können Sie uns zu Sophie Oliver sagen - los, was müssen wir wissen?
Nun ja, Frau Oliver und ich kennen uns schon eine Weile. Sie liest seit Jahren meine Chroniken und bewundert Mister Holmes. Heutzutage würde man sie wohl einen Fan nennen, ich bevorzuge den Ausdruck Verehrerin. Da ich Frau Olivers schriftstellerisches Schaffen beobachte und mich von ihren Fähigkeiten überzeugen konnte, hatte ich nichts dagegen einzuwenden, als sie mich bat, die Niederschrift eines unserer Fälle übernehmen zu dürfen.

Aha, Sie beneiden Sophie Oliver also um etwas? Oder schlimmer, es gibt etwas, was Sie gar nicht leiden können? Wir haben also ein Motiv?
Räuspert sich und zupft verlegen an seinem Bart. Ahem, also so intim ist unsere Bekanntschaft eigentlich nicht. Man schätzt sich auf rein professioneller Ebene. Was mir allerdings aufgefallen ist – Frau Oliver scheint ziemlich introvertiert zu sein. Sie steckt ihre Nase gerne in Bücher oder recherchiert oftmals abstruse Themen, über die sie später schreiben möchte. Man könnte meinen, sie ist gerne für sich alleine. Allerdings hat sie auch Freude daran, Menschen zu beobachten und scheut sich nicht davor, direkte Fragen zu stellen. Was bei meiner englischen Zurückhaltung natürlich undenkbar wäre.
  
3. Das hört sich so an, als würde Sophie nicht ununterbrochen schreiben - was macht sie denn in dieser Zeit?
Soviel ich weiß, hält sie sich gerne im Freien auf. Aktivität an der frischen Luft, Sie wissen schon. Das ist etwas, das wir Engländer auch gerne betreiben. Frau Oliver geht viel spazieren, mit ihrem Mann, den Kindern, dem Hund. Und sie verreist gerne. Ich habe gehört, sie wird in diesem Jahr noch mehrfach Großbritannien besuchen. Bei diesem Vorhaben möchte ich sie aufs Allerbeste bestärken. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich dabei Inspiration holt.
 
4. Ein Trittbrettfahrer? Welchem Vorbild eifert sie nach? Ist das nur schriftstellerisch so, oder auch im »normalen« Leben?
Also, was all things british betrifft – nachvollziehbarerweise ist die Kultur unseres großartigen Königreichs etwas, das Frau Oliver schätzt. Spricht für sie. Schriftstellerisch oder im normalen Leben, ist dabei einerlei. Denken Sie nur an die britische Literatur, unsere herrliche Landschaft, unseren Stil und ja, bisweilen auch unsere Schrulligkeit. Ich weiß aus ganz verlässlicher Quelle, dass Frau Oliver all das herrlich findet. Dabei muss man nicht unbedingt Namen nennen, vornehme Zurückhaltung, Sie verstehen.
Beugt sich vor und flüstert verschwörerisch: Nur unter uns – selbstverständlich ist Sir Arthur Conan Doyle ein Vorbild für sie – für wen wäre er das nicht!?!?

5. Gibt es Rituale, die Sophie beim Schreiben anwendet? Hängt sie bestimmter ritualistischer Musik an, oder gibt es irgendwelche berauschende Nahrungsmittel, die stets griffbereit liegen müssen?
Wenn Sie damit meinen, ob sie wie mein Freund Holmes unablässig auf einer Geige herumfiedelt – gottlob nicht!. Aber Frau Oliver hört Musik, die zu dem Thema passt, über das sie gerade schreibt. Über Kopfhörer, damit sie sich ganz in ihre Welt zurückziehen kann und keine Geräusche von außen stören. Manchmal wünsche ich mir, derartige Kopfhörer hätte es zu meiner Zeit auch schon gegeben …

6. Wie kam Sophie auf Ihre Spur?
Wie bereits gesagt, man kennt mich, man kennt Holmes. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Frau Oliver mich um eine Zusammenarbeit bat. Ich habe allerdings gehört, dass es hierfür eines Anstoßes seitens ihrer Agentin Alisha Bionda von der Agentur Ashera bedurfte. Erst nach Frau Biondas gutem Zuspruch wagte Frau Oliver sich an Holmes und mich heran.

7. Wissen Sie, ob sie sich Ihre Opfer immer auf diese Weise aussucht, entstehen ihre Geschichten immer so?
Lacht laut auf. Ha! Partners in crime, meinen Sie? Ich glaube in der Tat, dass Frau Oliver und Frau Bionda gerne gemeinsame Sache machen! Bei der Wahl ihrer Opfer, äh Geschichten, gehen die beiden da ganz zielorientiert vor. Grundsätzlich lobenswert, machen Holmes und ich genauso, was die Lösung unserer Fälle anbelangt. Wobei weibliche Kreativität natürlich nicht mit männlicher Analytik verglichen werden kann. Die Interviewerin stellt das Licht noch etwas greller ein. Watson blinzelt irritiert. 

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Verhör mit Ihnen, was macht Sie so besonders für Sophie?
Ich glaube, ich bin ihr Türöffner zur Welt von Sherlock Holmes. Niemals hätte sie sich getraut, sich direkt an ihn zu wenden. So war ich es, der sie ihm letztendlich vorstellte. Die beiden verstanden sich übrigens prächtig. So gut, dass über meinen Kopf hinweg entschieden wurde, Frau Oliver erneut als Chronistin für einen unserer Fälle einzusetzen. Tja, die Geister, die ich rief, kann ich da nur sagen …

9. Schauen wir uns doch einmal die Beweise an: Was wird sie als Nächstes tun? Woran arbeitet sie wohl gerade? Heckt sie einen Plan zur Ergreifung der Weltherrschaft aus? Wann werden wir neue Hinweise erhalten?
Oh, nein, an der Weltherrschaft ist Frau Oliver nicht interessiert. Viel zu viele Menschen, das mag sie gar nicht. Ihr genügt es, im stillen Kämmerlein vor sich hin zu plotten. Dabei kamen schon die erstaunlichsten Dinge zutage!
Sie hat ein Kinderbuch geschrieben, stellen Sie sich vor! Das wird unter dem Titel Belinda Burggespenst in der Seifenblasen-Reihe von Alisha Bionda im Arunya Verlag erscheinen. (Sehen Sie, schon wieder Frau Bionda! Ich sagte ja, dass die zwei gerne was zusammen ausbrüten!). Und für die Romance Reihe von Frau Bionda, ebenfalls im Arunya Verlag, steuert sie auch einen Roman bei. Der Titel lautet: Bube, Dame – Prinz.
Dann wird sie für den Bastei Verlag im Rahmen der Familiengeheimnis-Serie einen Roman schreiben. Darauf darf man ebenfalls gespannt sein.
Und was mich persönlich natürlich besonders interessiert: Es wird für den Dryas Verlag einen viktorianischen Krimi geben. Da werde ich bestimmt ganz genau hinsehen!

Knipst die Lampe aus und lehnt sich zurück ...



10. Ein herzliches Dankeschön an Doktor Watson für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Doktor Watson gesagt wurde.
Eigentlich hat der gute Doktor schon alles gesagt. So redselig kenne ich ihn gar nicht. Anscheinend mag er die strenge Befragung durch die Lesekatzen. ;-)
Es war jedenfalls ein ganz besonderes Erlebnis, ihm und seinem Partner Holmes bei den Ermittlungen über die Schulter schauen zu dürfen.
Ich bedanke mich bei den beiden für die spannende Zusammenarbeit und bei den Lesekatzen für das angenehme Interview.
Ach ja – eine Terminankündigung hätte ich noch: Wer mich und einige meiner Autoren-Kollegen von der Agentur Ashera gerne kennenlernen möchte, kann dies am 22. Oktober in Dreieich-Sprendlingen auf der BuCon machen. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher!


Die Novelle "Sherlock Holmes und das Geheimnis der Narrenkappe" ist im Arunya-Verlag erschienen. Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann sie auf ihrer Homepage, Facebook oder Instagram besuchen.


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