Freitag, 16. Dezember 2016

[INTERVIEW MEERKATZEN] Don Baldovino über Andreas Flögel



Andreas Flögel
Don Baldo ist der struppigste Kater der Küste, seit vielen Jahren im besten Katzenalter und der selbsternannte Kopf der Fischmarktbande, die jeden Abend die schmackhaften Abfälle bei den Marktständen plündert. Aber er ist auch eingebildet, großspurig und hört sich gerne selber reden. Das meint nicht nur Signore Topolino, die gebildete Maus, die ihm jeden Tag aufs Neue Honig ums Maul schmieren muss, damit Don Baldo sie unbehelligt in ihr Loch lässt, sondern, zur Überraschung des Katers, auch die Mitglieder seiner Gang.
Aber Don Baldo wäre nicht der Allereinzigartigste, wie er sich selbst gerne nennt, wenn er sich nicht wieder den Respekt aller verdienen würde.
Die Einzelheiten erfährt man in der Geschichte „Don Baldo und die Fischmarktbande“ in der Anthologie Meerkatzen.

1. Stell uns Andreas Flögel doch erst einmal kurz vor. Gibt er dir genug zu essen? Lässt er dich regelmäßig nach draußen?
Oh, ich glaube, ich sollte hier zuerst mich selbst vorstellen, insbesondere, weil in der Einleitung ein paar Sachen über mich behauptet wurden, die ich so nicht stehen lassen kann.
Erstmal, mein voller Name ist Don Baldovino. Don Baldo ist eine Abkürzung, die eigentlich nur die Mitglieder meiner Bande verwenden. Ja, Andreas, dieser tadelnde Blick gilt dir.
Was mein Erscheinungsbild angeht, so brauche ich darüber nicht viel zu sagen, aber „stattlich“, „edel“ und „beeindruckend“ sind die ersten Ausdrücke, die mir dazu einfallen. Dass Andreas immer auf mein struppiges Fell hinweist, sehe ich mal als eine Neidreaktion, da seine Haare, nun ja, eher durch Abwesenheit glänzen.
Sicher muss ich auch nicht betonen, dass ich eben gerade nicht zu Großspurigkeit neige, sondern eigentlich recht bescheiden bin, besonders, wenn man meine Allereinzigstartigkeit bedenkt.
Ha, siehst du, Andreas, das ist ein Wort, das man auch in einem Gespräch verwenden kann, zumindest, wenn es um mich geht!
Wir, also ich und meine Gang, verpflegen uns hauptsächlich selbst, meist auf dem Fischmarkt. Aber ab und an sorgt Andreas für etwas Abwechslung, das muss man ihm zu Gute halten. Zum Glück ist es ihm auch noch nie eingefallen, mich in irgendeiner Weise einzusperren.

2. Was denkst du über Andreas, wie findest du ihn? Gibt es etwas, das du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ok, also was könnte ich über Andreas sonst noch sagen? Über mich könnte ich eigentlich viel mehr erzählen.
Ach, ja, er ist Familienvater, liest gerne und viel, erzählt Geschichten und ist ein Mensch. Aber für Letzteres kann er wohl nichts, das darf ich ihm nicht vorwerfen, meint zumindest Signore Topolino.
Als Mensch ist man keine Katze, also eigentlich schon genug gestraft, aber anscheinend bringt das Menschsein noch ein paar weitere Nachteile. So muss Andreas tagsüber etwas machen, was sich „arbeiten“ nennt, ein Konzept, das sich mir nicht ganz erschließt. Mich würde das nur davon abhalten, mittags in der Sonne zu liegen. Er sagt zwar, das würde er auch gerne, kann es sich aber nicht leisten. Da soll mir mal noch einer mit „Mensch als Krone der Schöpfung“ kommen. Deshalb kann Andreas auch die anderen Dinge, wie z.B. das Schreiben, oft nur abends und nachts machen.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Dass mit dem „arbeiten“ hatte ich ja schon erwähnt. Ebenso, dass er viel liest. Das scheint er im Übermaß zu tun. Man sieht es auch an der mit Büchern vollgestopften Wohnung. Wie es aussieht, werden es immer mehr, obwohl er inzwischen viel auf so einem elektronischen Teil liest.
Was man ihm sicher nicht auf den ersten Blick zutraut, ist, dass er auch sehr gerne mit seiner Frau Tanzen geht. Er hat mir erklärt, das ist so ein Paar-Ding, bei dem man sich gemeinsam zu Musik bewegt. Oho, dazu kann ich nur anmerken, dass die Mädels aus meiner Bande alle bestätigen können, welche herausragenden Qualitäten ich bei Paaraktivitäten zeige. Aber mir würde es nie in den Sinn kommen, mir den Takt von der Musik diktieren zu lassen.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Gute Frage. Da hat er mich vor Augen und da sollte man doch meinen, dass damit auch klar ist, wer sein Vorbild ist. Enttäuschenderweise erwähnt er mich aber gar nicht. Er hat mir eine lange Reihe von Schriftstellern und auch Regisseuren genannt, die er bewundert. Die Liste wurde länger und länger. Letztlich habe ich davon nur so viel behalten, dass er keine, aber auch wirklich keine einzige Katze genannt hat. Da kann ich nur traurig den Kopf schütteln.


5. Gibt es Rituale, die Andreas beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Also, soweit ich das mitbekommen habe, mag er es beim eigentlichen Schreiben möglichst still und vor allem möchte er dabei allein sein. Ich habe ihn mal heimlich beobachtet und er liest sich tatsächlich selbst immer wieder Passagen laut vor, die er gerade geschrieben hat. Ich weiß nicht, was das soll, kann doch nicht sein, dass sein Gedächtnis so löcherig ist, dass er schon wieder vergessen hat, was er gerade zu Papier gebracht hat.
Anders ist es, wenn er nur über eine Geschichte nachdenkt. Dann kann es ihm ganz egal sein, was und wie viel um ihn herum los ist. Er sitzt einfach da, starrt vor sich hin und gleitet in seine Gedankenwelt ab. Na ja, behauptet er zumindest, aber ich kann euch sagen, es kommt auch vor, dass er einfach nur so tut und in Wirklichkeit ein Nickerchen hält. Ich als Katze kann das nur zu gut verstehen. 

6. Wie hast du ihn kennengelernt?
Na ja, er hat mir geradezu nachgestellt. Wollte unbedingt eine Geschichte über mich schreiben. Okay, kann ich natürlich verstehen und ich finde, es gibt auch kaum lohnendere Themen.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen?
Wie er mir erzählt hat, ist das ganz unterschiedlich. Oft überlegt er sich vorab eine Geschichte, dann beginnt er, sie aufzuschreiben, und plötzlich stellt er fest, dass die Figuren etwas ganz anderes machen. Dann ist er selbst überrascht, was da am Ende rauskommt.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Andreas so besonders?
Nun, das dürfte inzwischen klar geworden sein. Das mit meiner Allereinzigstartigkeit hatte ich ja schon erwähnt. Außerdem bin ich die einzige Katze, über die er ausführlicher geschrieben hat. Er hat zwar auch mal eine SF-Geschichte über einen Hund geschrieben, aber der war mithilfe eines KI-Implantats geistig aufgebessert, das zählt also nicht. Ansonsten immer nur Menschen, Menschen und nochmals Menschen.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Andreas bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Andreas arbeitet immer wieder an neuen Geschichten. So habe ich mir sagen lassen, dass dieser Tage die dritte Anthologie von Fantasyguide.de erscheinen wird. Da hat er eine Superheldengeschichte aus ungewöhnlicher Sicht beigesteuert. Und aktuell arbeitet er an einer Sherlock Holmes Novelle, die nächstes Jahr in der Reihe „Baker Street Tales“ als eigenständige Veröffentlichung erscheinen soll. Der Titel ist „Sherlock Holmes und das Erbe der Gräfin“. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob er im Moment eine weitere Katzenstory planen würde. Da werde ich ihm nochmal ernsthaft ins Gewissen reden müssen.

10. Ein herzliches Dankeschön an Baldo, oh, Entschuldigung, Don Baldovino für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Don Baldovino gesagt wurde.
Echt, Baldo, wir hatten doch vorab darüber gesprochen, was du sagen sollst und vor allem, was nicht. Das mit den Haaren war unfair. Ich habe noch Haare, aber eben nur am Rand. Und das mit den Nickerchen im Sessel, das bestreite ich. Da bin ich nur ganz intensiv in Gedanken. Aber der Gipfel ist wirklich, dass du ausgeplaudert hast, dass ich mir meine eigenen Texte vorlese. Nächstes Mal werde ich nicht dich, sondern Signore Topolino bitten, sich interviewen zu lassen. 
Äh, ach so, danke, nein, da habe ich jetzt nichts mehr hinzuzufügen.


Don Baldovino kommt in der Geschichte "Don Baldovino und die Fischmarktbande" vor. Auf LITERRA könnt ihr hier schon einmal in diese Geschichte reinschnuppern. Wenn ihr mehr über den Autor erfahren wollt, besucht ihn doch einmal auf seiner Homepage.
  

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