Montag, 19. Dezember 2016

[INTERVIEW MEERKATZEN] Mo über Tanya Carpenter

Tanya Carpenter
Der schwarze Kater Mo, der zusammen mit dem Fischer Juan in einem kleinen portugiesischen Dorf lebte, pflegt eine ganz besondere Beziehung zu der Delphinin Blanca. Die beiden können miteinander reden und tragen eine erstaunlich ähnliche optische Besonderheit. Während Blanca eine weiße Rückenflosse besitzt, verläuft auf Mo’s Fell an gleicher Stelle ein weißer Fleck, und auch seine Ohren und Pfoten sind weiß. Ihre besondere Verbindung entscheidet für Mo und seinen Freund Juan über Leben oder Tod, als die beiden auf offenem Meer in einen schlimmen Sturm geraten.

1. Stell uns Tanya Carpenter doch erst einmal kurz vor. Gibt sie dir genug zu essen? Lässt sie dich regelmäßig nach draußen?
Tanya ist ja generell sehr tierlieb. Sie würde niemals zulassen, dass es einem ihrer geliebten Vierbeiner nicht gut geht. Insofern bin ich also bestens versorgt, wenn ich sie mal besuche. Aber die meiste Zeit treibe ich mich ja an der portugiesischen Küste herum und dort ist es ihr einfach zu heiß. Sie mag ja mehr ein kühleres Klima. Aber das ist okay, und weil sie mich nicht besuchen kommt, schaue ich halt hin und wieder bei ihr vorbei. Ihre beiden Hunde sind mir ein wenig unheimlich, aber die Gegend, wo sie wohnt ist toll. Ganz viel Natur, in der ich umherstreifen kann. Wiesen und Wälder – es riecht ganz anderes als bei am Meer. Das ist aufregend. Aber dauerhaft wollte ich nicht dort bleiben. Blanca und Juan würden mir einfach zu sehr fehlen.

2. Was denkst du über Tanya, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich finde es toll, wie sie sich um alle kümmert und dass sie trotz ihres stressigen Alltags immer auch genug Zeit findet, um für ihre Lieben dazusein. Ich glaube, das braucht sie auch. Sie ist ja generell ein Workaholic und steht immer ziemlich unter Strom. Aber wenn sie mit ihren Tieren zusammen ist, dann kommt sie zur Ruhe und kann Kraft tanken. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Das sollte sie sich meiner Meinung nach noch ein bisschen öfter gönnen. Täte ihr gut.


3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Dann sitzt sie im Büro und arbeitet viel mit Zahlen und Tabellen. Aber auch dort muss sie häufig Schreiben. Korrespondenz nennt sie das. Was auch immer das ist. Ihre Hunde müssen dann zuhause bleiben und warten sehnsüchtig darauf, dass sie wieder nach Hause kommt. Wenn sie da ist, machen die drei lange Spaziergänge oder spielen. Und jeden Tag fährt sie auch zu ihrem Pferd. Das steht ganz in der Nähe. Ja, und dann gibt es ja noch das Haus mit dem Garten, da ist immer viel zu tun. Vor allem seit ihre Mama immer älter wird und immer häufiger nicht mehr so kann, wie sie gerne würde. Das tut auch Tanya schrecklich Leid. Ich kann das nachfühlen, denn ich sehe das auch bei Juan. Der wird immer älter und die Kraft lässt nach. Bald kann er nicht mehr auf das Meer hinausfahren. Das wird uns beiden fehlen. Wir sind so gerne draußen. Tanya ist auch gerne draußen in der Natur. Da bekommt sie immer ganz viele Ideen für ihre Geschichten. Es ist die Stille, sagt sie. In der Stille kann sie die Geschichten besser hören, wenn sie zu ihr sprechen.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Sie sagt immer, ihre Eltern seien Vorbilder, wegen deren starkem Charakter. Das soll ja auch so sein, dass die Eltern Vorbilder sind. Aber ich glaube, so richtige Vorbilder hat Tanya gar nicht. Sie respektiert Menschen, die sich selbst treu geblieben sind und für das kämpfen, woran sie glauben. Aber nur, wenn dabei niemand zu Schaden kommt. Sie bewundert es, wenn man sich für Schwächere einsetzt und wenn man auch bei Niederschlägen nicht aufgibt. Literarisch hat sie wohl eher ihren ganz eigenen Weg und keine Vorbilder.

5. Gibt es Rituale, die Tanya beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Kaffee muss vor allem nachts dabei sein. Dann kann sie bis in die frühen Morgenstunden hinein schreiben. Manchmal trinkt sie auch ein Glas Rotwein oder einen Whisky. Aber nur selten, denn ein klarer Kopf ist ja wichtig. Was unabdingbar ist: Eine Geräuschkulisse im Hintergrund. Völlige Stille ist schwierig, da kommt sie schlecht in Fluss. Meist ist es Musik. Sie hat den Spleen, sich für jedes Projekt eine eigenen, passende Playlist zusammenzustellen. Da sind einige wirklich schöne Sachen bei, doch manchmal empfinde ich die Töne, die da aus den Lautsprechern kommen, auch ziemlich unangenehm. Na ja, ihre Hunde scheint es nicht zu stören. Ist wohl eher Hundemusik als Katzenmusik, wenn ich das mal so nennen darf. Nicht zu vergleichen mit dem Lied des Meeres, also dem Gesang von meiner Freundin Blanca und ihrer Familie. Aber ich komme ganz vom Thema ab. Ja, Hintergrund ist wichtig. Wenn es mal – was selten vorkommt – keine Musik sein soll, dann läuft tatsächlich der Fernseher im Hintergrund und ob man es glaubt oder nicht, sie schafft es tatsächlich, sich parallel auf beides zu konzentrieren. Manchmal wird sie davon sogar inspiriert. Das finde ich sehr spannend. Witzig hingegen ist es, wenn sie ihren Laptop einpackt und ihn mitnimmt. Zum Beispiel in die Autowerkstatt. Man will ja keine Zeit verlieren. Oder in ein Café –das aber seltener. Gut jedenfalls, dass an solchen Orten auch immer Krach ist, denn wie gesagt, Hintergrundkulisse braucht sie.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Also Alisha (Tanya sagt immer, sie ist Freundin, Agentin und Treibkraft in einem für sie) hatte die Idee mit diesen Katzengeschichten in südlichen Gefilden. Meerkatzen halt. Und da Tanya Tiere ja so liebt, hat sie sich auf die Suche nach einer interessanten Geschichte gemacht, die vor allem das Herz berühren sollte. Tja, dabei sind wir uns dann über den Weg gelaufen. Sie hat mich oben auf der Klippe sitzen sehen und ist zu mir gekommen. Hat sich neben mir an den Rand des Felsens gesetzt und nach unten in die Bucht geblickt, wo Blanca mit ihrer Familie sang und tanzte. Dann haben wir angefangen zu reden, und ich habe ihr unsere Geschichte erzählt, während sie mich hinter den Ohren gekrault hat. Mhm, das liebe ich sehr. Ja, so kam das dann mit uns. Und wie mit all ihren Figuren, wenn das Band erstmal geknüpft ist, verliert es sich nie wieder. Darum halten wir immer noch Kontakt.

7. Weißt du, ob es bei ihr/ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Ich weiß, dass das immer unterschiedlich ist. Es kommt ja auch darauf an, ob sie einen konkreten Anstoß hat oder völlig frei ist. Manche Geschichten kommen zu ihr und überrumpeln sie. Für andere hält sie einfach die Augen auf bis sie ihr begegnen. Einige Charaktere fallen regelrecht über sie her und lassen sie nicht mehr los. Manchmal ist es aber auch weniger eine konkrete Figur, als mehr das Thema einer Geschichte, das sie in Bann zieht. Das kann jedenfalls alles immer und überall passieren. Inspiration zieht Tanya aus allem. Lieder, Bilder, Atmosphäre, Personen, Ereignissen, manchmal auch einem einfach nur so dahingesagten Satz oder sogar nur einem Duft. Das ist schon zuweilen etwas gruselig. Vor allem seit sie diese Diktierfunktion bei ihrem Smartphone für sich entdeckt hat. Das Ding platzt bestimmt irgendwann auseinander, wenn sie ständig so viele Ideen und Szenen darauf spricht.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Tanya so besonders?
Ich denke, weil ich die zentrale Figur in unserer Geschichte bin und es ja um die Meerkatzen geht. Außerdem kenne ich Tanya besser als zum Beispiel Blanca oder Juan. Blanca kann ja nicht zu Besuch nach Deutschland kommen. Sie braucht das Meer. Soviel Wasser, wie ein Delphin benötigt, gibt es bei Tanya nicht. Nur ein paar größere Seen, aber das ist ja kein Vergleich. Und die liegen auch alle nicht direkt vor der Haustür. Da bin ich als Kater schon flexibler. Na ja und Juan ist zu alt zum Verreisen.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Tanya bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer/seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Also da mag ich fast gar keinen Blick drauf werfen, sonst sträubt sich mir das Fell und ich muss instinktiv einen Buckel machen. Mich würde das ja in Angst und Schrecken versetzen, was da alles noch vor ihr liegt in den nächsten Jahren. Ihr erster Erotik-Thriller erblickt das Licht der Welt, ich kann sagen, da ging es ganz schön heiß her. Manchmal heißer als es in meiner Heimat wird. Dann hat sie sich mit einem Kumpel von mir, dem Sage (na ja, er ist ja kein richtiger Kater, sondern ein Werkater, also halb Mensch), lange befasst und sie haben zusammen mit der Leonie ein Modelabel gegründet und einen bösen Designer besiegt. So oder so ähnlich. Hat jedenfalls irgendwas mit Stiefeln zu tun. Und ihre Bluttrinker-Serien laufen ja auch beide noch eine Weile. Die eine neu geschrieben, die andere überarbeitet. Nicht zu vergessen einige Anthologiebeiträge und natürlich das Märchenbuch der Decoxe. Von den vielen neuen Ideen, die beinah täglich aus ihr raussprudeln will ich gar nicht erst anfangen. Also kurz und gut: Da kommt noch so einiges!

10. Ein herzliches Dankeschön an Mo für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin/dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Mo gesagt wurde.

Ach, er hat das schon sehr gut gemacht. Ich glaube, das kann man alles so stehenlassen. Und jetzt geh ich erst mal ein paar Sprotten für ihn holen. Die hat er sich redlich verdient.


Mo kommt in der Geschichte "Das Lied des Meeres" vor. Hier könnt ihr auf LITERRA schon einmal in seine Geschichte reinschnuppern. Mehr zur Autorin erfährt man auf ihrer Homepage oder auf ihrer Facebookseite.

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