Samstag, 10. Dezember 2016

[INTERVIEW MEERKATZEN] Rasputin über Barbara Büchner


Barbara Büchner
 „Ich, Rasputin, Kaiser und Gott“ – so müsste es eigentlich in großen Buchstaben auf dem Fensterbänkchen stehen, auf dem der riesige, zehn Kilo schwere Main Coon Kater zu thronen pflegt. Seine ganze rot-weiß-pelzige Erscheinung strahlt Würde und Herrschaftswillen aus. Nicht, dass er sich groß in die alltäglichen Geschäfte mischt und dort etwa Anordnungen gäbe! Sein Personal ist gut eingespielt, das Futter kommt regelmäßig, handwarm, in einem Napf auf einem Gestell, damit der alte Herr beim Fressen sich nicht verrenken muss, Körbchen und Decke sind immer bereit, das Katzenklo stets frisch gereinigt und mit sauberem Sand gefüllt. Auch ein Stuhl steht beim Fenster, der einen bequemen, eleganten Abgang vom Fenstersims zum Boden ermöglicht, denn hohe und weite Sprünge findet Rasputin inzwischen unter seiner Würde. Abenteuer liegen ihm eigentlich so gar nicht. Und doch hat Rasputin in dem Familienferien am Mittelmeer ein ganz schreckliches, lebensgefährliches, pelzsträubendes Abenteuer erlebt!

1. Stell uns Barbara Büchner doch erst einmal kurz vor.
Hmmm… alte Dame mit Punkfrisur und Gothic-Klamotten, das genügt ja wohl als Skizze. Schreibt und liest und liest und schreibt, sonst ist nicht viel los mit ihr.

2. Was denkst du über Barbara Büchner, wie findest du sie?
Die? Was soll ich euch über die Frau denn schon sagen? Die personifizierte Niveaulosigkeit! Früher mal, ja, da hatte sie Katzen, erst einen rot-weißen Kater, genau wie mich, der Jeremy hieß, und dann Mädi und Layla und Namira, die alle uralt wurden… aber dann hieß es plötzlich: Katzen springen auf den Schreibtisch, ruinieren womöglich den teuren Computer, Katzenkistchen stinken, Katzen schaukeln am Wandteppich und zerreißen den Vorhang… also nach dem Tod der letzten Katzen-Urgroßmutter keine neuen mehr. Und was kommt stattdessen ins Haus? Hunde! Hunde !!!!, bitte sehr! Fette, stumpfsinnige Köter mit einem Kopf wie ein Kalb, Pfoten wie Klodeckeln und einem Hirn, das grade groß genug ist, um sich zu erinnern wo Napf und Körbchen stehen! Einfach unmöglich! Aber was soll ich machen, sie ist nun mal meine Autorin, und zwei Jahrzehnte Katzenerfahrung hat sie immerhin gesammelt, bevor sie sich zu diesem Viehzeug erniedrigt hat.

Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr/ihm findest, wofür du sie beneidest?
Nun ja, ihr Körbchen, muss ich sagen, ist nicht übel, indische Decken, Kuschelpolster, sowas hätte ich auch gern. 140 mal 200, so richtig zum Alle-Viere-von-sich-strecken. Wie man ja weiß, schwellen Katzen in der Nacht auf das Fünffache ihrer Tagesgröße an und brauchen entsprechend viel Schlafplatz. Ach, etwas an ihr persönlich, meinen Sie? Sie ist clever im Jagen, das muss man ihr lassen. Bringt immer ausgesucht feine Sachen mit. Ich wüsste gerne, in welchen finsteren Kellern sie die erbeutet. Manchmal denke ich daran, auch dort jagen zu gehen – Leberwursthäppchen, Ei-Aufstrich, Knusperzeug, alles vom Feinsten! Aber dann ist mir das doch wieder zu anstrengend. Ich bin nun einmal ein Wohnungskater.

 Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Sie ist sehr eigensinnig, muss ich sagen. Alters-Starrsinn wahrscheinlich. Oft, wenn ich Ansprüche an sie stelle, will sie irgendwas anderes tun. Telefonieren oder auf dem komischen Ding rumklappern oder lesen. Als wäre das furchtbar wichtig! Man kann sich doch arrangieren, nicht? Ich meine, sie könnte doch immer grade das wollen, was ich ebenfalls will?

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr/ihm, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Manchmal gießt sie ihre Unmengen Grünpflanzen. Hatte sie früher nicht, weil da immer welche dabei sein könnten, die giftig sind, und Katzen gerne Grünes fressen. Jetzt ist es egal wie giftig sie sind, weil Hunde nicht an den Blumentisch gehen. Die fressen ihr Grünzeug draußen wo andere Hunde hinpinkeln und die Abgase sich ablagern. Einfach widerwärtig!

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Ich glaube, sie findet sich selbst vorbildlich genug, so wie sie ist. Hätte ja auch keinen Sinn davon zu träumen 1,80m groß und sportlich schlank zu sein, weil das immer nur Träume bleiben. Aber schriftstellerisch, da guckt sie sehr genau, wie es die ganz Großen machen – solche Leute E.A.Poe und Lovecraft und Algernon Blackwood. Da merkt sie sich jeden kleinsten Trick von denen.

5. Gibt es Rituale, die Barbara Büchner beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Ruhe braucht sie, absolute Ruhe, und Zwielicht. Kein Wunder bei den Geschichten! Aber sie sagt, das Halbdunkel ist nur damit die Sonne nicht im Bildschirm spiegelt. Glaub ich nicht. Die denkt, im Dunkeln ist gut munkeln! Und an Geräuschen ist höchstens das Schnarchen ihres Hundes erlaubt. Sie sagt immer: „Wenn Menschen schnarchen, ist das nervig. Wenn Hunde schnarchen ist das lieb.“ Angeblich beruhigt es sie, wenn der hässliche Köter im Schlaf gurgelt und brummt und schnupft und ächzt, dass man förmlich seine Träume sehen kann.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Ja, sie war gerade auf der Suche nach einer Meerkatze. Irgendjemand hatte sowas bestellt: Katzen und Meer. Und da kam zufällig die Rede darauf, warum mein Personal jetzt nicht mehr nach Pilar Maria ans Mittelmeer fährt, und sie meinte, das ist ja eine super Geschichte, weil sie spannend und unheimlich und gefährlich ist! Das will ich meinen! Mir ist damals beinahe der Pelz ausgefallen vor Schreck, als mir die braune Ratte diese Geschichte vom Tangknäuel erzählte. Kennen Sie nicht? Also, da kam eines Tages ein grünes, nasses, garstiges Tangknäuel direkt aus dem Meer heraus gerollt und rollte weiter, die Böschung hinauf und unter die Pfähle, auf denen das Ferienhaus steht… und während ich noch darüber nachdachte, wie sonderbar das ist, kam die Ratte daher und kreischte: „O weh! Das Tangknäuel ist da! Jetzt seid ihr alle verloren!“ Hab jetzt nicht die Zeit das in allen Einzelheiten zu erzählen, nachzulesen ist es in der Anthologie „Meerkatzen“.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Also meines Wissens werkt sie immer so. Wenn sie Geschichten über Menschen schreibt hat sie oft ein Foto an der Pinnwand hängen, weil diese Personen sie inspirieren. Da sind vielleicht manchmal Typen darunter! Eher ließe ich mir den Pelz abrasieren als bei denen zu wohnen. Aber das muss ich ihr lassen, in ihren Geschichten ist nur Platz für Menschen, die Katzen lieben, und wenn da einmal einer versuchen sollte einer Katze etwas Böses anzutun dann erwartet den ein Schicksal, dass man nur noch schnurren möchte vor Schadenfreude!

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Barbara Büchner so besonders?
Was MICH besonders macht? Sie scherzen! Haben wohl Tomaten auf den Augen? Das erkennt man doch auf den ersten Blick! Ich bin nicht nur eine Katze, was an sich schon grandios ist, ich bin auch eine Maine Coon, und das sind die schönsten, geheimnisvollsten, würdevollsten Katzen der Welt! Deshalb!

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Barbara Büchner bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Ja doch. „Sherlock Holmes und der Höllenbischof.“ Wieder so eine Gruselgraus-Geschichte aus viktorianischen Zeiten, mit Londoner Nebel (aua brr! Das stellt mir schon die Haare auf, wenn ich an die graugelbe, kalte schleimige Erbsensuppe nur denke!) und Geistererscheinungen und teuflischen Anschlägen auf den Detektiv und seinen guten Freund Doktor Watson. Und gerade erschienen ist „Doktor Bellwinkles Puppenhaus“, auch ganz schön gruselig. Blöd nur, dass die einzige wichtige Tier-Rolle wieder mit einem Hund besetzt wurde! Na gut, es gibt keine zum Schimmelpilz-Schnüffeln abgerichteten Katzen, aber ist das etwa ein Grund, wieder so ein Viech ins Rampenlicht zu stellen?

10. Ein herzliches Dankeschön an Kater Rasputin für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin/dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Rasputin gesagt wurde.
Eine Maine Coon war immer meine Traumkatze, weil sie so ganz besonders sind. Aber dann hörte ich auf Katzen zu halten, aus den von Rasputin genannten Gründen – zerrissene Vorhänge, Verwickelungs-Spiele mit Computerkabeln, Auf-Alles-Raufspringen – und so ist der Traum ein Traum geblieben. Vielleicht ist das ohnehin besser… meine Katzen legten sich zum Schlafen immer quer über meine Kehle, und wenn das so ein Zehn-Kilo-Brocken macht wäre ich jetzt vielleicht nicht mehr hier um diesen Beitrag zu schreiben.


Der Kater Rasputin kommt in der Geschichte "Das Tangknäuel" vor.


Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren möchtet, besucht sie doch einmal auf ihrer Homepage.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...