Mittwoch, 14. Dezember 2016

[INTERVIEW MEERKATZEN] Trjegul über Toni Alexander Ihme



Toni Alexander Ihme

Trjegul, eine norwegische Waldkatze, taucht zum ersten Mal in der Geschichte auf, die seinen - oder ihren, denn selbst der Autor ist sich hier nicht sicher - Namen trägt. Hier bemüht sich diese Katze, dem Erzähler und dem Leser Rätsel aufzugeben.

1. Stell uns Toni doch erst einmal kurz vor. Gibt er dir genug zu essen? Lässt er dich regelmäßig nach draußen?
Toni wurde 1979 geboren und arbeitet zur Zeit als Psychologe an einer Universität. Als solcher schreibt er ziemlich viel - nur leider nichts Spannendes oder Interessantes. Das gleicht er aus, indem er phantastische Geschichten spinnt; diese häufig, so wie die meine, mit einem historischen oder mythischen Hintergrund. Da er selbst den Wert guten Essens sehr zu schätzen weiß, vergisst er selbstverständlich nie mich entsprechend zu versorgen. Das wäre ja noch schöner...

2. Was denkst du über Toni, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Was mich wirklich stört: er lässt sich leicht ablenken und schreibt weniger als er sollte. Ich meine, der Junge ist nicht völlig schlecht; immerhin kam ich aus seiner metaphorischen Feder. Er ist ein sehr loyaler Mensch und denkt - für einen Menschen - überraschend klar. Manchmal kommt ihm seine eigene Fantasie in den Weg (er hat eine Menge davon), dann geht einfach zu viel in seinem Kopf vor.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Wenn er nicht gerade am Wissenschaftsbetrieb verzweifelt – Warum arbeitet er da eigentlich noch? – verschlingt er mehr Bücher als ein Großbrand in einer Bibliothek. Und wenn er nicht gerade Geschichten aufschreibt, erlebt er sie am Spieltisch beim Rollenspiel, pen & paper nennt sich das dann. Das natürlich nur, wenn er sich nicht durch Computerspiele ablenken lässt.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Er sprach von seinem Großvater, dessen Motto war "Wenn der Geist nicht blitzt, donnert die Stimme umso mehr". Toni nimmt sich das in mehrfacher Hinsicht sehr zu Herzen wie es scheint.

5. Gibt es Rituale, die Toni beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Aus einem für mich nicht nachvollziehbaren Grund involviert sein Schreiben große Mengen einer giftigen Substanz, namentlich Schokolade. Es erstaunt mich immer wieder, dass er noch nicht tot umgefallen ist. Verständlicher wiederum ist seine Gewohnheit, dass wenn er nicht mehr weiter kommt, er sich von jenem grellen Leuchten dieses infernalischen Computermonitors ab- und dem Papier zuwendet, um darauf weiterzuschreiben.

6. Wie hast du ihn kennengelernt?
Wie viele andere, die auf den von ihm mit Schriftzeichen versehenen Seiten auftauchen auch… Das ist nicht ausreichend als Antwort, oder? Also gut: Ich schlich durch die Tiefen seiner Bibliothek, während er, ohne es zu wissen, auf der Suche nach mir war. Und noch ehe er wusste, wie ihm geschah, war ich, sanftes Raubtier, das ich bin, aus den Seiten gesprungen und hatte es mir auf seinem Schreibtisch, seinem Kissen, seinem Schoß gemütlich gemacht. Und danach ist er mich nie wieder losgeworden.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Tatsächlich sprechen häufig Bilder zu ihm; er sieht ein Foto oder eine Zeichnung von jemandem und dann beginnt es in ihm zu arbeiten. Er kritzelt ein paar Zeilen in sein Notizbuch und wartet, bis die Idee Wurzeln schlägt. Ich war da wesentlich selbstständiger, möchte ich anmerken. Auf mich musste man nicht lange warten.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Toni so besonders?
Ist das nicht offensichtlich? Also mal ganz abgesehen von meinem buchstäblich göttlichen Hintergrund und der Tatsache, dass Katzen nun einmal die besseren Menschen sind? Reicht das noch nicht? Ich bin der erste tierische Protagonist, der je bei ihm aufgetaucht ist. In seinen Augen - so hat er es mit versichert - vereinigt meine Rolle die Würde einer Katze und die Freundlichkeit, für die wir norwegischen Waldkatzen bekannt sind, mit der stillen Melancholie hinter meiner Geschichte. Die Tatsache, dass ich in meiner eigenen Geschichte keine Sprechrolle habe - was mich nicht wenig frustrierte, wenn ich das anmerken darf - war für ihn eine "schriftstellerische Herausforderung". Und das nur, weil Ihr Menschen nicht vernünftig sprechen könnt...

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Toni bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Stressig wie immer… wenn wir ehrlich sind, könnte er eine Lektion in Gelassenheit (oder auch zwei) von mir vertragen. Aber obwohl er derzeit mit seiner Habilitation beschäftigt ist, steht er auch davor, demnächst seinen Steam-Fantasy-Roman fertigzustellen.

10. Ein herzliches Dankeschön an Trjegul für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Trjegul gesagt wurde.
Eigentlich gibt es tatsächlich nicht mehr viel festzuhalten, was nicht schon längst von Trjegul gesagt wurde. Ich bin ein großer Geschichtsfan, das heißt, ich lese sehr viel zu verschiedenen historischen Themen und bin ein großer Bewunderer verschiedener historischer Figuren, wie zum Beispiel Caterina Sforza (deren Leben wirklich jeden Roman in den Schatten stellt).



Trjegul ist der Held der gleichnamigen Geschichte vor. Auf LITERRA könnt ihr hier schon einmal in diese Geschichte reinschnuppern.

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