Dienstag, 8. August 2017

[Rezension] Sirrah - Petra Gugel (by Aenna)

Sirrah von Petra Gugel

Veröffentlicht in: 2017
Preis: 2,99 €
Seitenzahl: 215 (ebook)
ASIN: B071GGGJHD

Klappentext:
In ferner Zukunft leben zwei junge Menschen auf einer matriarchalen Welt: Sirrah, Tochter einer Gutsbesitzerin, und Tihal, Sohn eines Landarbeiters. Während Sirrah alle Wege offen stehen, bleibt Tihal nur das Leben auf den Feldern. Tihal umgibt ein Geheimnis, das Sirrahs Interesse weckt. Die beiden kommen sich näher, ihre Liebe zerbricht jedoch an Sirrahs Zukunftsplänen. Als Sirrah eine Karriere bei der Raumflotte anstrebt, verlässt Tihal seine Heimat und schließt sich einer Rebellengruppe an. Zunächst verdrängt Sirrah die Ungerechtigkeit des Gesellschaftssystems und stürzt sich mit Eifer in ihre Ausbildung. Als sie jedoch herausfindet, dass Tihal die Zwangsarbeit auf einem unwirtlichen Planeten droht, schmiedet sie einen waghalsigen Fluchtplan.


Meine Meinung:

Worum es in dem Buch geht, fasst der Klappentext sehr gut zusammen. Sirrah strebt eine steile Karriere an. Den gleichen Wunsch hat auch ihr Kindheitsfreund Tihal. Da er ein Mann ist, darf er jedoch weder zur Schule gehen noch studieren. Der Grundkonflikt zwischen den Hauptpersonen ist sehr aktuell. Zwar darf in Deutschland (fast) jeder jeden Beruf anstreben, allerdings sind die Karriereziele und finanziellen Möglichkeiten trotz allem sehr unterschiedlich und stellen manch eine Beziehung auf die Probe. Diese Situation wird in dem Buch sehr schön dargestellt. Es macht Spaß mit Sirrah ihre Ziele zu verfolgen und zu schauen, wie sie mit allem umgeht. Auch ihre Familie und Freunde wirken sehr authentisch. Das alles hat bei mir genug Interesse geweckt, um mich das Buch in zwei Tagen durchlesen zu lassen.

Allerdings war ich ein oder zwei Mal kurz davor es wegzulegen, weil die Spannung in der Geschichte gefehlt hat. Das lag vor allem am Klappentext. Ich habe ihn extra wortwörtlich übernommen, damit es später nicht heißt, ich hätte etwas gespoilert. Allerdings ist das kaum möglich, denn in dem Klappentext wird alles beschrieben, bis auf das letzte Kapitels, in dem der Ausgang des Fluchtplans beschrieben wird. (Der Klappentext ist demnach eine Zusammenfassung von den ersten 200 Seiten!)Mich stören Spoiler nur selten. Ich gehöre zu den Menschen, die hin und wieder gerne mit der letzten Seite beginnen. Ich lese ein Buch nicht wegen des Endes, sondern wegen des Wegs dorthin. Das Problem ist jedoch, dass ich aufgrund des Klappentexts das Gefühl hatte, dass beispielsweise die ganze Ausbildung von Sirrah nur ein Zwischenschritt ist, der eigentlich nicht wichtig ist. Ich dachte, die richtige Geschichte beginnt erst, wenn Tihal in der Zwangsarbeit landet. Dabei passierte das erst gegen Ende. Das ist sehr schade, denn so macht der Klappentext wirklich schöne und gut durchdachte Szenen kaputt, die für den Verlauf der Handlung sehr wichtig sind. Dabei steckt in ihnen so viel Arbeit. Das ist vor allem jetzt im Nachhinein unheimlich schade, denn das Buch ist wirklich gut.

Insgesamt erscheint es mir so, als würde es entgegen des Spruchs auf dem Cover ("Eine Rebellion aus Liebe gegen das System") weder um die Liebe, noch um die Rebellion zu gehen. Stattdessen beschäftigt sich jedenfalls dieser erste Band vielmehr mit der Entwicklung einer jungen Frau, die Liebe, Karriere und ihre eigene, sich wandelnde Moral unter einem Hut bringen muss. Ihre Liebe zu Tilhal kommt dagegen nur am Anfang und Ende vor und wird als gegeben angesehen. Die Rebellion wird immer nur so weit gestreift, wie sie für Sirrahs persönliche Entwicklung wichtig ist. Die dargestellten Schnipsel der Aufstände sind stimmig und könnten sich in einem möglichen zweiten Teil weiterentwickeln. Allerdings weiß ich nicht, warum die Rebellion wegen der Liebe stattfinden soll. Im Großen scheint jeder Mann für seine eigenen Rechte zu kämpfen. (Von unterstützenden Frauen habe ich jedenfalls nichts gelesen.) Und Sirrah rebelliert überhaupt nicht. Sie versucht lediglich die Person zu retten, die sie liebt. Das tut sie aber (noch) nicht, um etwas im System zu ändern. Das finde ich absolut nicht schlimm. Die Geschichte ist toll, wie sie ist. Es muss nicht immer um die Anführer der Rebellion, Action und Gewalt gehen. Im Gegenteil: Ich finde diese Sichtweise wahnsinnig spannend. Sie passt nur nicht so ganz zu diesem Spruch auf dem Cover.

Weg vom Cover und zurück zu Sirrahs Umgebung. Sirrahs Welt könnt ihr euch wie eine Mischung aus historischer Fantasy und Science Fiction vorstellen. Das hat einen gewissen Charme, obwohl es mir manchmal nicht ganz logisch erscheint. Das kann ich jedoch nicht Beurteilen, weil zu wenig über die Entwicklung der Menschen auf diesem Planeten bekannt ist. Dadurch komme ich jetzt allerdings auf die einzige Sache, die mir gar nicht gefallen hat: die Begründung für die Herrschaft der Frauen. Im Buch wird es erstmal so dargestellt, als wäre alles umgekehrt. Die größten Klischees über Frauen, treffen hier also auf die Männer zu und umgekehrt. Begründet wird das mit von Männern provozierten Unruhen, die einst auf den Raumschiffen stattfanden, die die Menschen nach einigen Jahrhunderten Fahrtzeit auf den Planeten gebracht haben. Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber mich überzeugt das einfach nicht. So eine Unterdrückung braucht normalerweise einen etwas besseren Grund. Damit will ich nicht sagen, dass beispielsweise die Unterdrückung von Frauen in vielen Religionen und Kulturen gerecht oder richtig ist. Allerdings hat sich das aus einer Zeit (Steinzeit etc.) heraus entwickelt, in der diese Rollenverteilung nun mal notwendig war. Das ist keine Rechtfertigung an veralteten und mittlerweile sinnlosen Modellen festzuhalten, aber eine Erklärung dafür, wie dieses Denken über viele Jahrhunderte entstanden ist. Natürlich kann das auch schneller gehen, aber da braucht es, meiner Meinung nach, einfach mehr für.
Außerdem finde ich es auch nicht so spannend, wenn einfach alles umgedreht ist. Die Geschichte bleibt dann schließlich die gleiche. Ich hätte es viel interessanter gefunden, wenn sich etwas mehr geändert hätte. Vielleicht hätten die Menschen nach der Ankunft auf dem Planeten viele körperliche Arbeiter gebraucht, um die Wälder zu fällen und Felder zu bauen. Und da Männer dafür körperlich besser geeignet sind, war das ihre Aufgabe, während sich die Frauen, um die Verwaltung und alle anderen Kopfaufgaben gekümmert haben. Als dann die körperliche Arbeit dank der Technologien teilweise wegfiel, haben sich die Männer um den Haushalt und die Kinder gekümmert.
Das ist jetzt nur so eine spontane Idee, die einigermaßen in die Welt passt, aber mit Sicherheit auch ihre Probleme und Logikfehler mit sich bringt. Ich hätte mir jedenfalls mehr Informationen und einen etwas logischeren Hintergrund gewünscht. Außerdem hätte mit einer paar mehr Ecken und Kanten einfach viel mehr aus dieser Idee gemacht werden können.

Letzen Endes spielt dieser Hintergrund jedoch bis jetzt noch keine eigene Rolle. Das könnte aber natürlich im Verlauf der Rebellion noch wichtig werden. Ich bin wirklich neugierig, wie Petra Gugel das umsetzt und ob sie vielleicht noch mehr Ideen für einen möglichen zweiten Teil aufgehoben hat.

Weg von der Kritik zu einem weiteren positiven Punkt: Von der ersten bis zur letzten Seite lässt sich das Buch gut lesen. Der Stil ist gleichmäßig und enthält so gut wie keine Stolperfallen. Auch Tippfehler sind mir nur zwei oder drei aufgefallen. Die Worte bringen immer klar auf den Punkt, worum es geht, sodass man beispielsweise sehr schnell einen guten Überblick über die relevanten Räumlichkeiten und Personen bekommt.

Insgesamt gefallen mir die Charaktere und die Welt ebenso gut wie die etwas ruhigere Sicht auf die Rebellion von Sirrah. Lediglich die Begründung für den Ist-Zustand der Welt, war nicht mein Fall. Da der allerdings nicht allzu wichtig ist, gebe ich gerade noch 4 von 5 Katzen.




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