Dienstag, 1. August 2017

[Rezension] Wo der Mond auf dem Rücken schläft (by Aenna)

Wo der Mond auf dem Rücken schläft von Mareike Schuldt

Verlag: Drachenmond Verlag, 2010
Preis: 13,95 €
Seitenzahl: 364 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-931989-57-6

Inhalt:
Mareike ist Mitte 20, hat sich zu spät auf einen Arbeitsplatz beworben und sich deshalb für eine Rucksackreise durch Indien entschieden. In 6 Monaten bereist sie sowohl den Norden als auch den Süden, macht gute und schlechte Erfahrungen und gelangt zu vollkommen neuen Ansichten.
Meine Meinung:
Ich bin in der Göttinger Stadtbibliothek auf das Buch gestoßen. Eigentlich wollte ich als Vorbereitung auf meine eigene Indienreise ein Sachbuch über Indiens Geschichte und Kultur lesen. Stattdessen hielt ich am Ende diesen Reisebericht in den Händen.

Das Buch besteht aus Reiseberichten, die Mareike für ihre Verwandten und Bekannten in Deutschland schrieb. Doch schon während der ersten Wochen der Reise hat sich Mareike für eine Buch-Veröffentlichung entschieden. Die Idee finde ich gut - allerdings denke ich, dass es besser gewesen wäre die Reiseberichte umzuformen. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage gelesen - du die Eindrücke sind extrem auf mich eingeprasselt. Die ursprünglichen Leser hatten viel mehr Zeit zum verarbeiten des Gelesenen.

Genervt haben mich die vielen Fußnoten. Ich sehe es so: Entweder ist eine Information so wichtig oder interessant, dass sie in den Text gehört oder man lässt sie weg. Den Inhalt der Fußnoten kann man sich vor lauter Informationen sowieso nicht merken. Außerdem lernt der Leser ja nicht nur die Reise und das Land kennen, sondern auch die Autorin. Die Freunde und Bekannte werden da keine großen Schwierigkeiten gehabt haben, aber Leser des Buches müssen noch mehr kennenlernen.

Das wird dadurch erschwert, das Mareike zunächst nur wenig über sich selbst und ihr Leben in Deutschland preisgibt. Natürlich muss niemand, der einen Erfahrungsbericht schreibt, alle Details über sich selbst verraten. Aber es wäre schon schön gewesen, zu erfahren, ob sie vor Indien auch meditiert hat, ob sie bereits Motorrad fahren konnte und ob sie nun verheiratet ist oder nicht. Das alles wurde im Text vorausgesetzt, ging aber erst spät aus ihm hervor. Im Fazit, also auf den letzten zwei Seiten, hat sie dann all das verraten. Da war es jedoch schon zu spät.

Abgesehen von diesen Mankos, gefällt mir das Buch gut. Während des Lesens vieler Szenen fühlte es sich an, als wäre ich dabei. Der Stil der Autorin spricht alle Sinne an und lässt den Leser Indien riechen und schmecken. Besonders spannend finde ich die vielen Treffen mit anderen Reisenden. Dieser Austausch mit eigentlich vollkommen fremden Personen, die einen für einige Tage oder Wochen total vertraut werden, ist etwas Besonderes. Schade ist nur, dass man die meisten Personen nie wieder sehen wird - aber vermutlich würde man sich im Alltag nicht halb so gut verstehen ...

Mareike lernt nicht nur zahlreiche Menschen kennen, sie kommt auch viel herum. Damit der Leser einigermaßen mithalten kann, stehen über jedem Reisebericht die besuchten Orte und der Zeitraum. Außerdem gibt es vorne im Buch eine handgezeichnete Karte von Indien, auf der die bekanntesten Stationen eingezeichnet worden sind. Sie ist wunderschön, aber ich habe eine Anmerkung (nur für den Fall, dass jemand vom Drachenmondverlag das hier liest und gerade an der Neuauflage arbeitet): Druckt die Karte auf die erste Seite, das heißt vor das Impressum und allem anderen. Wenn möglich auf die Innenseite des Buchdeckels. So, wie es jetzt ist, dauert das hin und her blättern zu lange und reißt den Leser aus dem Lesefluss.

Jetzt kritisiere ich schon wieder, sodass die positiven Seiten zu kurz kommen. Ich nehme aus dem Buch vieles mit. Zunächst einmal bin ich sehr froh, dass mein freiwilliges halbes soziales Jahr in Bangalore (und damit im Süden) stattfindet. Der Norden (beziehungsweise die dort lebende Männerwelt) scheint doch arg anstrengend zu sein - jedenfalls für indienunerfahrene Frauen. Außerdem werde ich auf keinen Fall während des Monsuns nach Aureville fahren. Auf schimmelnde Blasen und Pilzen an den Füßen habe ich nämlich keine Lust. Wo ich dagegen einen Abstecher machen möchte, ist Mysore. Allerdings weiß ich gerade nicht mehr so genau, was ich da so toll fand. Wie gesagt, viel zu viele Eindrücke, sodass ich kaum etwas zuordnen kann. Aber ein Blick in den Reiseführer wird meine Erinnerung mir Sicherheit auffrischen.

Insgesamt finde ich es toll, dass dieses Buch über eine "normale Rucksackreise" überhaupt veröffentlicht wurde. Vor allem die großen Verlage scheinen das langweilig zu finden und sind immer auf der Suche nach Leuten, die etwas vollkommen schräges erlebt haben. Das ist natürlich auch interessant, aber ich suche nach Berichten von Austauschjahren und Rucksackreisen und finde sie meistens nur zufällig und nie bei google oder amazon. Deswegen gebe ich auch - trotz der oben beschriebenen Fehler - vier Sterne. Bei einer Neuauflage würde ich mir jedoch wünschen, das an den ein oder anderen Problemen gearbeitet wird.



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