Dienstag, 12. September 2017

Das Leben und das Schreiben von Stephen King (by Aenna)

Das Schreiben und das Leben von Stephen King

Verlag: Heyne, 2011
Preis: 9,99 €/ 10,99 € (ebook/ Taschenbuch)
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3-453-43574-2


Inhalt: 
Der Titel ist gleichzeitig eine sehr gute Inhaltsangabe. Stephen King verrät in diesem Buch einige Anekdoten aus seinem Leben, die ihn zu Schriftsteller gemacht haben. Der zweite Teil des Buches enthält einen Schreibratgeber.

Meine Meinung:
Dieses Buch wurde mir sehr oft empfohlen, es hat gute Kritiken bekommen und da ich selbst schreibe, hat es mich gleich doppelt interessiert. Ich mag Stephen Kings Schreibstil, auch wenn seine Themen nur selten meinen Geschmack treffen. Deswegen wollte ich die Chance nutzen, etwas von ihm zu lernen. Das Buch lässt mich mit sehr unterschiedlichen Eindrücken zurück. Es besteht aus drei Teilen, auf die ich zuerst eingehen werde, bevor ich mich einigen allgemeinen Themen zuwende.

Teil 1: Das Leben
Der erste Teil besteht aus vielen (meist sehr kurzen) Kapiteln, in denen King Momentaufnahmen aus seinem Leben zeigt. Ich habe beim Lesen deutlich gemerkt, dass er die Szenen ganz bewusst ausgewählt und in Szene gesetzt hat. Das ist vollkommen okay und hat Spaß gemacht. Es sollte aber niemand das Buch in die Hand nehmen, weil er glaubt Stephen Kind danach zu kennen. Irgendwie hat er es trotz einiger sehr persönlicher Informationen geschafft, einen deutliche Distanz zu wahren. Aber wie gesagt: Ich finde das nicht schlimmer. Der Schreibstil ist flüssig und klar, sodass das Lesen Spaß macht.

Teil 2: Das Schreiben
Der Anfang gefällt mir gut. King bezeichnet das Schreiben als eine Art Telepathie. Ich mag den Vergleich und denke, dass man sich ihn beim Schreiben immer mal wieder vor Augen halten sollte. Nach der Einführung kommen für mich viele Sachen, die ich nicht mehr ganz so schön finde. Das erste, was mich stört, sind die nicht vorhandenen Überschriften. In Romanen ist mir vollkommen egal, ob über dem Kapitel eine Zahl, ein Wort oder ein kreativer Name steht. In einem Sachbuch finde ich gute Überschriften dagegen sehr wichtig. Denn in einen guten Ratgeber schaue ich immer wieder rein. Ich möchte etwas nachschlagen oder mir einzelne Kapitel mehrfach durchlesen. Aber ohne richtige Überschriften, ist es schwer die interessanten Stellen wiederzufinden.

Die Hinweise an sich waren allesamt altbekannt. Natürlich habe ich kein Wundermittel erwartet, aber vielleicht etwas tiefergehende Hinweise. Die Buchhinweise sind am Ende länger als manch ein Kapitel. Außerdem sollte man sich beim Lesen einer Sache bewusst sein: King schreibt klipp und klar, was er denkt. Teilweise klingt es so, als wäre es anders gar nicht möglich, einen guten Roman zu schreiben. Teilweise sehe ich das anders. Schon allein, weil ich schon von anderen erfolgreichen Autoren gehört habe, die andere Strategien verwenden. Es hängt eben alles vom Autor, seinen Erfahrungen und dem Genre ab. Aber dennoch bin ich mir sicher, dass jeder eine Kleinigkeit aus dem Buch mitnehmen und ausprobieren kann.

Teil 3: Der Autounfall
Hinten angehängt befinden sich einige Kapitel, die eigentlich in den ersten Abschnitt gehören. King ist während seiner Arbeit an diesem Buch von einem Auto angefahren worden. Danach musste er sich zahlreichen OPs unterziehen. In dem Buch beschreibt er, wie sich das angefühlt hat und wie er danach wieder zum Schreiben gekommen ist. Das liest sich beinahe wie ein Horror-Roman. Mir ist jedenfalls ein wenig schlecht geworden.
Ich finde es toll, dass King darüber geschrieben hat. Allerdings stört mich ein wenig das wie. Aber dazu komme ich im nächsten Abschnitt.

Allgemeine Anmerkungen:

Schreibstil:
Obwohl ich Kings Stil normalerweise liebe, ist er mir diesmal an einigen Stellen auf den Senkel gegangen. Meistens lag das an Stolperfallen, wie eingeschobenen Nebensätzen und in Klammern verpackte Einwürfe. Als ich relativ weit hinten gelesen habe, dass King sich durch den zweiten und dritten Teil des Buches durchquälen musste, habe ich ihm sofort geglaubt. So klingt es nämlich leider an vielen Stellen. Außerdem haben die unzähligen Buchnahmen genervt. Richtig schlimm wurde es, wenn auch noch die Originaltitel dabeistanden. Es hätte gereicht, wenn diese erst Register aufgetaucht wären. Ebenfalls sehr nervig waren die Fußnoten, die immer erst am Ende des Kapitels aufgetaucht sind und ein Zurückblättern erzwungen haben. Das ist mit dem Tolino (oder Kindle) doppelt nervig.

Die einzelnen kleinen Geschichten haben jedoch trotzdem gerade durch Kings Stil ihren Charme. Sie wirken teilweise wie Mini-Thriller. King hat immer versucht Spannung reinzubringen und ihm ging es scheinbar nie, um ein positives Ende. So ist er auch im 2. Teil vorgegangen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er auf Teufel komm raus provozieren wollte. Das ist einerseits gut: Er hat klipp und klar seine Meinung dargestellt und seine Vorgehensweise beschrieben. Er setzt sich dafür ein und steht dahinter. Das gefällt mir tausend mal besser, als wenn er mir 22 Möglichkeiten aufzählt, die er aber selbst nicht nutzt. Andererseits geht das aber auch an einigen Stellen zu weit. Es ist eben ein Sachbuch und kein Horror-Roman.

Struktur:
Leider habe ich auch hier negative Anmerkungen. Von einer Struktur habe ich nämlich nichts gemerkt. Es waren anscheinend zwei Abschnitte geplant. Der erste hat von selbst ganz gut funktioniert, da King meistens chronologisch vorgegangen ist. Ab dem zweiten Abschnitt sah das anders aus. Hier ging irgendwie das eine oder andere durcheinander. Ich hatte vor allem bei der Einführung das Gefühl, dass er damals noch nicht wusste, was und wie genau er schreiben will. King betont, dass er so gut wie nie plottet und bei Horror-Romanen ist das vielleicht eine gute Vorgehensweise. Aber bei einem Sachbuch ist das eher unpraktisch. Auch der dritte Teil hätte deutlich besser eingebaut werden können. Stattdessen hat King ihn einfach ans Ende gehangen. Danach folgt dann nochmal ein längeres Beispiel für die Überarbeitung. Warum steht das nicht im Kapitel über die Überarbeitung?

Bleibt etwas in mir zurück?
King schreibt in dem Buch, dass es sein Ziel sei, dass die Leser nach der Lektüre etwas im Kopf behalten. Sie sollen noch eine Weile drüber nachdenken, diskutieren, etwas für ihr eigenes Leben mitnehmen. Das sehe ich genauso. Und ich muss sagen, dass King das trotz aller Kritikpunkte geschafft hat. Ich habe einige Bilder und Anregungen im Kopf behalten. Ich habe mir zwei, drei Dinge gemerkt, die ich unbedingt ausprobieren möchte und ich habe Motivation gefunden.

Insgesamt:
Es gibt sehr viel, was mich an diesem Buch stört. Aber der letzte Punkt ist der wichtigste. Deswegen habe ich sehr lange überlegt, ob es drei oder vier Katzen werden (halbe Katzen mag ich nicht). Ich denke, dass man im Zweifel, die positivere Alternative wählen sollte. Deshalb gibt es 4 von 5 Katzen. Es schwingt jedoch die Hoffnung mit, dass wenigstens der deutsche Verlag (also Heyne) bei einer Neuauflage die Kleinigkeiten ändert, die in seiner Macht stehen.

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