Dienstag, 3. Oktober 2017

Das Geheimnis des alten Mönches (by Aenna)

Das Geheimnis des alten Mönches von Jan-Philipp Sendker

Verlag: Blessing, 2017
Preis: 20 € (gebundene Ausgabe)
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-89667-581-1

Inhalt:
In jedem Land gibt es Märchen. Einige sind allgemein bekannt, andere werden vergessen. So oder so sagt ein Märchenbuch viel mehr über die Kultur und das Wesen eines Landes, als jedes wissenschaftliche Buch eines Forschers. Jan-Philipp Sendker und drei weitere Personen haben sich auf die Suche nach den Märchen und Fabeln Burmas gemacht und diese für die deutschen Leser neu aufgeschrieben.


Meine Meinung:
Ausgesucht habe ich das Buch, weil ich Märchen liebe und mich für Asien interessieren. Über Burma weiß ich allerdings nur sehr wenig. Ich hatte nur ein paar (meistens nicht allzu schmeichelhafte) Infos während meines Austauschjahrs in Thailand aufgeschnappt. Gerade deshalb war ich neugierig auf die Märchen. Ich finde es interessant ein Land auf diese Weise kennenzulernen.

Das Buch besteht nicht nur aus den gesammelten Märchen, sondern auch aus einem Vor- und einem Nachwort. An sich hat der Autor das sehr schön geschrieben. Allerdings habe ich eine kritische Anmerkungen: Es gibt zu viele Wiederholungen. Die Information, dass der Autor erst als Journalist und später als Autor in Burma war, habe ich mit dem gleichen Wortlaut drei oder vier Mal gelesen. Das mag ja interessant und auch wichtig sein, aber verstanden hatte ich es auch schon beim ersten Mal. Außerdem finde ich es ein wenig Schade, dass ein paar Dinge vom Nachwort schon vorweg genommen wurden. Im Vorwort geht es nämlich hauptsächlich darum, wie der Autor Burma bei seinen ersten Reisen wahrgenommen hat. Im Nachwort wird dagegen das Gegenwärtige Burma beschrieben. Das ist wirklich super gemacht: Toll erzählt und beschrieben! Nur die Vorwegnahme einiger Details im Vorwort hätte wirklich nicht sein müssen.

Jetzt aber zu den Märchen. Ich kann natürlich nichts darüber schreiben, ob diese Fabeln tatsächlich repräsentativ für Burma sind. Wenn der Autor schreibt, dass die vier Beteiligten sehr lange recherchiert, Müttern beim Lagerfeuer zugehört und alte Bücher durchsucht haben, muss ich das glauben. Mir hat jedenfalls die Auswahl sehr gut gefallen. Die Geschichten stammen garantiert aus ganz verschiedenen Quellen. Oftmals geht es um Dankbarkeit, Respekt und Klugheit. Außerdem kommen häufig sehr arme Waisen vor. Wie in deutschen Märchen auch, werden die Protagonisten oftmals vom Schicksal, einem König oder einem Gott geprüft. Ich mag jene Märchen am liebsten, in denen es um Geister geht. Die buddhistischen Geister sind etwas besonderes und haben eine ganz eigene Welt. Auch die Dämonen und die "Unterwelt" sind wahnsinnig spannend. Darüber werde ich auf jeden Fall noch mehr lesen.

Das einzige, was ich manchmal vermisst habe, ist der Stil der Großmutter, die ihrer Kinder die Geschichten erzählt. Man merkt schon ein wenig, dass die Geschichten wiedergegeben werden. Das geht natürlich nicht anders. Zum einen werden Märchen naturgemäß von Generation zu Generation weitergegeben und zum anderen brauchte es meistens noch einen Übersetzer, damit der Autor die Geschichte verstehen konnte. Und dann hat er sich Notizen gemacht und später seine eigene Version geschrieben. Das ist gar kein Vorwurf. Wie könnte man das auch anders machen? Aber ich finde es wichtig, diesen Hintergrund im Kopf zu behalten.

Zum Schluss habe ich noch eine Frage an den Verlag, falls ein Lektor oder ein anderer Mitarbeiter das hier liest: Warum steht Herr Sendker als Autor auf dem Cover? So wie ich das verstanden habe, haben noch eine Frau und sein Sohn (zusammen mit dessen Freund) an diesem Buch gearbeitet. Also eigentlich müsste hinter dem Namen Herausgeber stehen. Oder die anderen Namen müssten wenigstens in klein auftauchen ...

Trotz meiner kleinen Kritikpunkte hat mir das Buch sehr gut gefallen. Wenn ich irgendwann mal eigene Kinder oder Neffen/ Nichten oder so habe, werde ich ihnen bestimmt auch die eine oder andere Geschichte aus diesem Buch und nicht nur deutsche Märchen erzählen. Deswegen gebe ich gerne 4 von 5 Katzen.
Übrigens interessiere ich mich jetzt für die beiden Romane des Autors, für die er geschickt ein wenig Werbung im Vor- und Nachwort gemacht hat.


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